Im Oktober begann nicht nur das neue Semester, sondern wurde auch die siebte Ringvorlesung der "Angewandten Kindheitswissenschaften" in Stendal eingeläutet. Die Veranstaltungsreihe läuft bis 29. Januar und steht unter dem Titel "Alltagspraxen: Kinder und Jugendliche. Leben. Kultur."

Stendal l "Wir wollen relevante Fragen der Wissenschaften von der Kindheit bis zur Jugend thematisieren und damit nicht nur Studenten, sondern auch Berufstätige aus diesen Bereichen erreichen", sagt Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Günther Mey. Zusammen mit Studentin Anika Noack hat er die nunmehr siebte Ringvorlesung auf dem Gebiet der Angewandten Kindheitswissenschaft organisiert.

Den Anfang machte vor zwei Wochen Prof. Dr. Michael Klundt mit seinem Vortrag über Kinderöffentlichkeit. Dabei zeigte er die Wahrnehmung der jungen Generation in der Gesellschaft aus verschiedenen Blickwinkeln. Insgesamt stellte er fest, dass Kinder nur recht selten als Individuen mit eigenen Lebensvorstellungen, sondern viel eher als wirtschaftlicher Faktor und Humankapital wahrgenommen werden. Unterstrichen werde sein Eindruck durch die aktuelle Jugendstrategie der EU- Demnach müsse die Ressource "junger Mensch" gehegt und gepflegt werden. Doch es gebe auch Lichtblicke und er führte als Beispiel die erfolgreichen Kinderepubliken an, die von der Gesellschaft immer ernster genommen werden würden.

Zur zweiten Veranstaltung am Dienstag stand Organisator Mey selbst am Rednerpult und gab den Zuhörern mit seinem Dokumentarfilm "Meile 88" einen Einblick in die Jugendbewegung "Punk". Im Mittelpunkt des Videos stehen Interviews, die eingerahmt werden von Beobachtungen - inszenierte Szenen und Alltagsbilder. Der Film "Meller 88" ein Versuch, ein Porträt einer Gruppe zu zeichnen, das durch sehr persönlich gehaltene Stellungnahmen "näher an" das Selbstverständnis der Jugendlichen heran- und über Klischees hinausreicht, auch weil mit Klischees "gespielt" wird.

Neben Referenten der Hochschule sei es laut Mey auch gelungen, Experten aus ganz Deutschland für das Projekt zu gewinnen. Dazu gehört Prof. Mecheril von der Universität Oldenburg, einer der Experten für interkulturelle Fragen oder das "Archiv der Jugendkulturen", die innovative Projekte realisieren. Er hält am 15. Januar einen Vortrag zum Thema: "Wie aus Jugendlichen Jugendliche mit Migrationshintergrund werden."

Besonders erfreut ist Mey auch darüber, dass erneut ein Praxistag zustande gekommen ist, an dem altmärkische Einrichtungen aus der Kinder- und Jugendarbeit mitwirken und Frage und Antwort stehen. Zudem wird das Theater der Altmark seine theaterpädagogische Arbeit vorstellen. Zusammen mit den Filmvorführungen gibt es bis 29. Januar ein umfangreiches Vorlesungsprogramm, das nicht nur neues Wissen vermitteln soll, sondern auch den Dialog zwischen Studierenden, Vertretern von Unternehmen und Berufstätigen der Branchen fördern kann.

Die Ringvorlesung findet immer dienstags von 16.15 bis 17.45 im Audimax der Hochschule in Stendal statt. Darüber hinaus gibt es auch Zusatztermine, die im Zusammenhang mit Fachtagungen am Stendaler Standort stehen und deren Vorträge thematisch die Frage der Alltagspraxen behandeln.

Weitere Informationen zur Ringvorlesung gibt es unter www.hs-magdeburg.de.

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