Magdeburg l Es ist Donnerstag, 15.30 Uhr, an einer Tankstelle an der B189, stadtauswärts. Autos fahren auf den Hof, die Fahrer tanken, kaufen Kleinigkeiten oder messen den Reifendruck. Und irgendwo dazwischen wuselt Jona Redslob herum. Seinen Rucksack hat er an der Tankstellenfassade abgestellt, nun spricht er die Männer und Frauen an, immer auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit Richtung Berlin.

Die ersten vier Versuche innerhalb von ein, zwei Minuten scheitern. Die Fahrer sind alle auf dem Nachhauseweg, wollen in andere Stadtteile Magdeburgs oder nach Barleben. Für Jona kein Grund zur Panik. "Die Absagen waren alle freundlich, ich versuche es einfach weiter", sagt er und geht zum nächsten Autofahrer an der Zapfsäule. "Hallo, könnten sie mich vielleicht in Richtung Berlin mitnehmen?"

Zeitdruck hat er nicht: Er will zu seiner Freundin nach Frankfurt/Oder, bis zum Abend wird er sein Ziel erreicht haben, dessen ist er sich sicher. Am Freitag will er dann nach Berlin zu einem Treffen mit seinen Vorstandskollegen von "abgefahren". Danach geht es zurück an die deutsch-polnische Grenze. "Und mal sehen, wenn ich Lust habe, mache ich noch einen kleinen Abstecher nach Kroatien", schaut Jona voraus. Für jemanden wie ihn, der schon trampend bis nach Marokko und Sibirien gereist ist, ist das ein Katzensprung.

Aber zurück zur Tankstelle. Nach einer guten halben Stunde hat Jona noch immer keinen Lift gefunden. Jona fragt weiter, doch niemand fährt Richtung Berlin. "Den meisten glaube ich das auch. Manchmal gibt es aber auch welche, denen man ansieht, dass sie einfach nur keinen Bock auf Tramper haben", erklärt er.

Noch immer ist er die Ruhe selbst, das gute Wetter tut sein Übriges dazu. "Das Warten kann auch sehr entstressend sein", gewinnt Jona der Situation sogar etwas Positives ab.

Dann, gegen 16.15 Uhr, nach einer Dreiviertelstunde des Ansprechens und Wartens, ist es so weit. Philip aus Paderborn nimmt Jona mit. Paderborn? Wollte Jona nicht nach Frankfurt/Oder? "Kein Problem. Ich lasse mich am Rasthof Börde rausschmeißen, da finde ich garantiert eine Fahrgelegenheit bis Berlin oder weiter." Aus diesen Worten spricht die Routine eines Weitgereisten.

Philip, Jonas Lift für wenige Kilometer, war am Morgen noch in Hamburg, dann in Magdeburg auf einem geschäftlichen Termin, jetzt muss er nach Hannover in eine Niederlassung seiner Firma, dann geht es nach Hause, nach Paderborn. "Jona hat direkt einen sympathischen Eindruck gemacht. Außerdem bin ich früher auch getrampt", erklärt Philip, warum er den ihm fremden Jona mitnimmt. Ein Gesprächsthema haben die beiden also.

Doch am Rasthof Börde trennen sich die Wege wieder. Jona geht über die Brücke auf die andere Fahrbahnseite, nach nicht einmal einer Minute sitzt er im nächsten Auto und wird bis Brandenburg mitgenommen.

Dort dauert es wieder nur etwa fünf Minuten, ehe Jona den nächsten Lift erwischt. Kurz vor dem Schönefelder Kreuz bei Berlin dann der erneute Wechsel: Zwei Polen, die in Süddeutschland ein Auto gekauft haben, lassen Jona zusteigen und ihn in Frankfurt/Oder wieder raus. Nun noch mit einer jungen Frau in die Stadt, und schon steht Jona um 19.30 Uhr bei seiner Freundin vor der Tür.

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