Magdeburg. Von den rund 1400 Hausärzten im Land sind aktuell 380 älter als 60, weitere 190 sogar über 65 Jahre alt. Zwar werden jedes Jahr 40 bis 60 Mediziner fertig, die eine freie Praxis übernehmen könnten. Die Zahl der in den Ruhestand wechselnden Kollegen können sie jedoch nicht ausgleichen. "30 bis 40 Praxen in Sachsen-Anhalt bleiben schon jetzt jedes Jahr unbesetzt", sagt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt, Burkhard John. Besonders von der Entwicklung betroffen sind die Regionen außerhalb der Ballungsräume. Die KV rechnet damit, dass bis 2025 allein im Burgenlandkreis 78 neue Hausärzte, im Landkreis Harz 65 und im Landkreis Stendal 37 benötigt werden.

Weil junge Ärzte die großen Städte als Arbeitsort bevorzugen, der Bedarf an medizinischer Versorgung durch den demografischen Wandel aber vor allem auf dem Land wächst, dürfte sich die Unterversorgung dort weiter verschärfen.

Gegen den Hausarztmangel existiert auf Bundesebene bereits ein ganzes Bündel von Strategien. Finanzielle Zuschläge, die Aufhebung der Residenzpflicht und Unterstützung bei der Gründung einer Zweitpraxis sollen den Beruf auch außerhalb der großen Zentren attraktiv machen.

Um Ärzte werben wie um die Ansiedlung von Betrieben

Die seit Januar 2013 geltende neue Bedarfsplanung soll durch die Berücksichtigung des Demografiefaktors die Versorgung in Regionen mit älterer Bevölkerung verbessern.

Die KV Sachsen-Anhalt strebt Reformen an, die noch darüber hinausgehen. Es gebe Ideen, ärztliche Kompetenzen stärker auf Schwestern vor Ort zu übertragen und Bereitschaftsdienste für Landärzte besser abzustimmen, sagte Burkhard John. Nicht zuletzt fördern KV und Land bereits seit einigen Jahren das Fach Allgemeinmedizin mit Professuren, Stipendien und einem speziellen Studiengang.

Deutschlandweit fehlen nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) derzeit 2600 Hausärzte. Bis 2021 werden weitere 51.000 Haus- und Fachärzte in den Ruhestand gehen. "Es zeigt sich schon jetzt, dass viele dieser Praxen nicht wieder besetzt werden", hieß es. Angesichts drohender Unterversorgung sieht KBV-Sprecher Roland Stahl auch die Kommunen in der Pflicht: "Die Gemeinden müssen beim Werben um Hausärzte ein ebenso aktives Standortmarketing betreiben wie bei der Ansiedlung von Betrieben", sagte er.