Magdeburg l Das Ende der kleinen Dorfschule kam schleichend und dennoch überraschend. Seit Jahren sinkt die Zahl der Kinder in dem 2000-Einwohner-Dorf Angern (Landkreis Börde). Immer weniger Kinder bedeutet auch: immer weniger Schüler für die Grundschule am Rand des Dorfes.

Als das Kultusministerium im Mai 2013 eine Mindestgröße für alle Grundschulen festlegt, können die Angeraner noch einmal aufatmen: Ihre Schule liegt darüber. Im September schreibt das Land sogar die Schulleiter-Stelle neu aus, gesucht wird eine Nachfolgerin für die Ende Januar ausscheidende Direktorin.

Die wird nun nicht mehr kommen. Denn der Verbandsgemeinderat hat entschieden, die Schule in Angern zu schließen, um mit den Kindern von dort die Schule im Nachbardorf Burgstall zu retten. In Angern endet damit eine jahrhundertealte Tradition. "Seit dem Dreißigjährigen Krieg gab es hier eine Schule", sagt die scheidende Direktorin Gerda Irrgang betroffen. Kritik am Verbandsgemeinderat oder an der Landesregierung vermeidet sie. Am Unterricht soll es in den letzten Monaten keine Abstriche geben. "Es muss ja weitergehen", sagt sie.

Im Dorf sitzt die Wut tief. Ein Dorf ohne Schule hat keine Zukunft - das ist die Befürchtung vieler. Es gibt Neid und Missgunst, Verschwörungstheorien. Ein Bürgerentscheid ist bereits gescheitert. Jetzt klammern sich einige an die Hoffnung, den Standort als Privatschule zu retten.

"Die Dorfschule ist nicht teurer, die Leistungen sind nicht schlechter." - Walter Helbling, Grundschul-Initiative

Vielen Kommunen im Land stehen diese Auseinandersetzungen noch bevor. Bis Ende Januar müssen die Landkreise dem Land eine Schulentwicklungsplanung vorlegen. Das Papier ist der Nachweis, dass die Grundschulen den Mindestgrößen entsprechen, andernfalls wird es vom Landesschulamt nicht genehmigt. Doch die Entscheidung, welche Schule gerettet wird und welche für immer schließt, liegt bei den Gemeinden.

Dass das Kultusministerium jetzt auch die Mindestgröße für erste Klassen anheben will, dürfte den Unmut bei vielen Lokalpolitikern noch anheizen. Ende Mai werden die Kreistage, Stadt-, Gemeinde- und Ortschaftsräte gewählt. Da mag sich keiner mangelnden Einsatz für die eigene Schule vorwerfen lassen.

Die Initiative "Grundschulen vor Ort" will den Druck von unten in Richtung Landesregierung weiterleiten. Sie hält die Schließung kleiner Schulen für kopflos und fordert jahrgangsübergreifenden Unterricht in kleinen Dorfschulen. "Das ist nicht teurer, die Leistungen der Schüler sind nicht schlechter und in der Sozialkompetenz sind sie anderen überlegen", ist Initiativen-Sprecher Walter Helbling überzeugt. Am Mittwoch will er mit zwei Mitstreitern dem Petitionsausschuss des Landtages das eigene Konzept vorstellen.