Ein begehrter Titel

Der Doktortitel ist der höchste akademische Grad - und der mit Abstand begehrteste. Formal bescheinigt er die Fähigkeit zu vertiefter wissenschaftlicher Arbeit. Hilfreich ist er jedoch auch außerhalb der akademischen Welt: In der Wirtschaft sorgt er in der Regel für einen satten Gehaltsaufschlag, in der Politik für Reputation.

Vor den Titel setzen die Promotionsordnungen jedoch den Fleiß. Wer bei der geforderten Doktorarbeit Sorgfalt bei den wissenschaftlichen Standards vermissen lässt oder gar dreist aus anderen Arbeiten plagiiert, riskiert die Aberkennung des Titels. Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sind die bekanntesten Fälle.

Wer promoviert wird, entscheiden an den Universitäten allein die Fakultäten - der Rektor hat dabei nichts zu sagen. (he)

Magdeburg l Das Recht, den Doktorgrad zu erteilen, gilt als wichtigster Unterschied zwischen Universitäten und Fachhochschulen. Letztere wollen das historisch begründete Vorrecht nicht länger akzeptieren. Rektor Andreas Geiger von der Hochschule Magdeburg-Stendal spricht von einer ungerechten Regelung.

Er fordert das Promotionsrecht stattdessen für alle akademischen Einheiten mit starker Forschungsleistung. Die alte Einteilung von forschenden Universitäten und für den Arbeitsmarkt ausbildenden Fachhochschulen sei längst überholt. "Natürlich sind die Fachhochschulen lehrorientiert und anwendungsbezogen", sagt Geiger. "Aber daraus hat sich teilweise eine starke Forschung entwickelt."

Dennoch dürften FH-Professoren ihre Studenten nicht zum Doktortitel führen. "Uni-Professoren, die Forschung nur aus der Ferne kennen, dürfen das aber", ärgert sich Geiger. Auch andere Fachhochschulen sehen sich ungerecht behandelt. Dieter Orzessek, Präsident der Hochschule Anhalt in Bernburg, klagt schon lange über eine "Diskriminierung der Fachhochschulen".

Die Universitäten hingegen wollen unbedingt daran festhalten, dass allein sie den höchsten akademischen Grad erteilen dürfen. Jens Strackeljan, Rektor der Universität Magdeburg, sieht darin eine Garantie für Qualität. "Man braucht eine kritische Masse an guten Kollegen, um Promotionsverfahren kritisch zu überwachen", sagt Strackeljan. Nur an den Unis gebe es auch die nötige finanzielle Ausstattung, die es ermöglicht, einen Professor als Betreuer auf dem Stand der Wissenschaft zu halten.

Derzeit ist die Promotion von FH-Studenten nur möglich, wenn eine Uni als Kooperationspartner bereitsteht. Die Zahl dieser Fälle ist allerdings sehr gering. An der Hochschule Magdeburg-Stendal gab es im Jahr 2012 lediglich neun Doktoranden.

In Schleswig-Holstein steht das Uni-Monopol zum Promovieren bereits auf der Kippe. Die Kieler Wissenschaftsministerin Waltraud Wende (parteilos) will das Recht auf den Doktor auch Fachhochschulen einräumen. Dort werde genauso geforscht wie an Universitäten, begründet sie den Vorstoß. In Hessen hat die neue schwarz-grüne Landesregierung im Koalitionsvertrag verankert, dass forschungsstarke Bereiche von Fachhochschulen ein "eigenständiges Promotionsrecht" erhalten sollen.

In Sachsen-Anhalt ist jeder dritte Student an einer Fachhochschule eingeschrieben.

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