Magdeburg. Den vorläufigen Höhepunkt hat die Brandserie am vergangenen Wochenende gefunden. Zwei Wohnungstüren wurden mittels Brandbeschleuniger angezündet. Ein Spaziergänger, der die Flammen im Treppenaufgang des Mehrfamilienhauses bemerkte, rief die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte mussten die Treppentür gewaltsam öffnen. Jemand soll von innen die Tür blockiert haben. Zum Tatzeitpunkt waren 13 Mieter im Haus. Verletzt wurde niemand.

"Ich habe Angst. Ich kann nachts nicht mehr schlafen", sagt eine Bewohnerin, die unerkannt bleiben will, der Volksstimme. Bei der letzten Tat kam sie gerade von der Arbeit und sah die Einsatzwagen. "Ich dachte, nicht schon wieder", sagt sie. Beim Brand davor wurde sie nachts 1.30 Uhr von der Feuerwehr geweckt. "Wer weiß, was passiert wäre, wenn das Feuer niemand bemerkt hätte", so die Bewohnerin weiter. Erste Mieter seien bereits ausgezogen, weitere überlegen.

Den Anfang nahm die Serie im November 2012 mit einem Kellerbrand. Mehrere zehntausend Euro Schaden waren damals entstanden. Es folgten drei Pkw-Brände. Alle vor dem selben Haus. Im Dezember des vergangenen Jahrs brannte dann ein Zeitungswagen im Keller des Hauses. Noch immer sind Rußspuren im kompletten Treppenaufgang zu sehen. Am vergangenen Wochenende dann der Brandbeschleuniger an den Türen zweier leerstehender Wohnungen.

Die Ermittlungen zu den Brandstiftungen am Tatort Gerstengrund werden von den Brandexperten der Kripo geführt, sagt Polizeisprecherin Beatrix Mertens. Derzeit prüfe man noch, ob ein Zusammenhang zwischen den sechs Taten bestehe. Die Bewohner des Hauses vermuten schon länger, dass es sich möglicherweise um denselben Täter handelt. So fanden alle Taten am selben Ort statt. Auffällig ist auch, dass die Eingangstür zu dem Mehrfamilienhaus verschlossen ist. Rein kommt nur, wer einen Schlüssel hat oder von innen geöffnet bekommt. Durchsuchungen in den Wohnungen soll es noch nicht gegeben haben. Dafür wäre ein richterlicher Beschluss nötig.

Verwaltet wird das Objekt von der Neutecta Grundinvest Aktiengesellschaft aus Leipzig. Eine Mitarbeiterin sagt der Volksstimme auf Nachfrage, dass derzeit "entsprechende Maßnahmen ergriffen werden." Was für Maßnahmen das sind, wurde nicht weiter erläutert. "Dazu geben wir Ihnen überhaupt keine Auskunft", sagt die Mitarbeiterin am Telefon weiter und legt auf.

Nachfrage bei Bewohnern des benachbarten Blocks: "Natürlich habe ich Angst um mein Auto, aber was soll ich machen", fragt Hans-Theodor Weinert, der seinen Pkw täglich beruflich braucht. Aus Angst parke er seinen Wagen jetzt woanders.

Unterdessen hoffen die Bewohner des Brandhauses nun auf einen Ermittlungserfolg der Magdeburger Kriminalpolizei. "Es kann doch nicht sein, dass ich nicht mehr ruhig schlafen kann", so eine Bewohnerin.

   

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