Magdeburg. Sachsen-Anhalt kann bei seinen Grundschulen deutlich Geld sparen und dennoch alle kleinen Standorte erhalten - mit dieser Botschaft hat am Donnerstag das Aktionsbündnis "Grundschulen vor Ort" bei Landtagspolitikern für sein Konzept geworben. Außer dem Petitionsausschuss interessierten sich auch Finanz- und Bildungspolitiker für das Anliegen.

Initiativen-Vertreter Walter Helbling suchte das Konzept mit einem Blick über die Landesgrenzen zu erklären. In Österreich, berichtete er, hätten 12,5 Prozent der Volksschulen maximal 25 Schüler, 5 Prozent sogar nur 15 Schüler. Durch jahrgangsübergreifenden Unterricht sei das möglich - und dieses Modell könne auch die kleinen Schulen in Sachsen-Anhalt retten. "Das ist ein international anerkanntes System", versicherte Helbling den Abgeordneten. Viele Konzepte, etwa der gemeinsame Unterricht mit behinderten Kindern oder individuelle Lehrpläne, seien an solchen Mini-Schulen entwickelt worden.

Die Initiative wendet sich gegen die neuen Mindestschülerzahlen, die von diesem Sommer an gelten. 60 Schüler muss eine Schule dann haben, ab 2017 sogar 80. (Für dünnbesiedelte Gebiete gelten die Werte 52 beziehungsweise 60). 80 bis 150 Grundschulen würden dann schließen, prophezeit Helbling, mit gravierenden Folgen für die Sozialstruktur der Dörfer. "Die Schule ist ein Haltefaktor. Für Eltern spielt es eine Rolle, ob ihr Kind im Dorf zur Schule gehen kann oder zehn, zwölf Kilometer fahren muss." Feuerwehren und Vereine bräuchten den Kontakt zu den Kindern, um sich Nachwuchs zu sichern.

Die der Initiative vorschwebenden Mini-Schulen mit nur noch zwei oder drei Lehrern sollen von Verwaltungsarbeit entlastet werden, eine größere Schule soll das für mehrere Nachbarschulen erledigen.

Von den Politikern gab es einige kritische Fragen. Wulf Gallert (Linke) warnte, Lehrer würden in Kleinstschulen zu Einzelkämpfern. Corinna Reinecke (SPD) fragte, wie Dorfschulen vielfältige Arbeitsgemeinschaften anbieten könnten, Patrick Wanzeck (SPD) erkundigte sich nach der Zusammenarbeit mit Horten.

Die Grundschul-Initiative beteuerte, der Unterricht werde keinesfalls schlechter. "Wenn Schüler in der Dorfschule Theater machen, ist das nicht so professionell wie mit einem Theaterpädagogen", sagte Helbling. "Aber der Auftritt vor der ganzen Dorfgemeinschaft, vor den eigenen Großeltern - das ist ein nachhaltiges Erlebnis."

Der Petitionsausschuss will das Anliegen noch in einer weiteren Sitzung beraten. "Jeder hat gemerkt, dass Sie eine Menge Arbeit reingesteckt haben", lobte Vorsitzender Hans-Joachim Mewes (Linke). Das Aktionsbündnis setzt große Hoffnungen auf den Ausschuss. "Sie sind die letzte Instanz, die noch eine Debatte über die Schulschließungen anstoßen kann", sagte Helbling.