Taichung/Magdeburg. Wenn von den gedeihlichen chinesisch-magdeburgischen Kontakten die Rede ist, dann geht es derzeit oft um Fragen der wirtschaftlichen Annäherung nicht zuletzt dank der Kontakte zwischen Harbin und der Landeshauptstadt. Doch auch Kultur kann Kontakte knüpfen. Das beweisen derzeit sechs Magdeburger Künstler, die sich noch bis Sonntag an der Ausstellung "Face off" beteiligen. Und zwar in einem ganz anderen China, in der Millionenmetropole Taichung auf Taiwan. Dabei zeigen die sechs Akteure eine breite Facette der modernen Kunst: Mit dabei sind Beate Schoppmann-Fuchs mit ihren Druckarbeiten, Thomas Andre mit Prints von Skulpturen, Jana Richter mit einem Dokumentarfilm, Robert Meinel und Juliane Schulz mit Fotografie und Jens Besser mit Wandmalerei. Die Lokalität: ein leerstehendes Gebäude.

Erfahrungen aus Kabinetten der Künste spielen mit

Mit dabei ist auch der promovierte Politikwissenschaftler Karsten Steinmetz, der sich auch über die Grenzen Magdeburgs hinaus einen Namen gemacht hat als einer der beiden Vorsitzenden des Vereins Kulturanker. Er berichtet: "Die meisten Besucher hier haben so etwas noch nie erlebt, dass ein Verein alte Gebäude mit neuer Kunst bespielt und Freiheit für Kreativität bietet." Das Haus ist ein ehemaliger Nachtklub, der von außen und innen in den 60ern von einem Künstler gestaltet worden war. "Leider wurde durch Umbauten viel zerstört - aber noch immer ist es drinnen spektakulär und das passt zu der Kunstausstellung", sagt Karsten Steinmetz.

Klar: Das ist ein Fall für seinen Verein. Denn mit dem Bespielen ungenutzter Räume haben Magdeburger Künstler schon Erfahrung. Denn sie haben unter der Regie der Kultur-Anker-Leute in den vergangenen Jahren mit ihren Kabinetten der Künste vergessene Orte wiederbelebt: Im einstigen Handelshafen ebenso wie in einem inzwischen sanierten Gebäude an der Otto-von-Guericke-Straße, im einstigen Altstadtkrankenhaus oder im leerstehenden TGA-Gebäude an der Sieverstorstraße.

Die in Taiwan ungewohnte Idee ist beim Publikum gut angekommen. "Wir hatten viel Aufmerksamkeit in den Medien, und es wurden mit der Zeit auch immer mehr Künstler, die selbst noch mit ausgestellt haben", wagt Steinmetz kurz vor dem Abschluss der Schau schon einmal einen ersten Rückblick. Auch auf Seiten der Kunstszene gab es übrigens Zuspruch: Am Anfang waren zwölf Künstler mit dabei, am Ende sind es fast 30. "Das Wichtigste für uns war, dass die Leute mit einem Lächeln die Ausstellung verließen und tief beeindruckt waren. Innerhalb von vier Wochen haben wir fast 1200 Likes bei Facebook zusammenbekommen", resümiert Karsten Steinmetz.

Zu der Ausstellung sind die Magdeburger übrigens über eine befreundete Organisation namens "DRF Goodot Village" gekommen. DRF steht für "Downtown Recreative Foundation", und damit ist klar, womit sich die Stiftung im Auftrag der Stadt Taichung beschäftigt: Sie soll alte leerstehende Gebäude bespielen. "Über eine Freundin, die hier studiert hat, wurden wir bekannt gemacht und waren sehr erfreut, den Organisatoren helfen zu können", berichtet Karsten Steinmetz. Neben der Anerkennung an die Künstler für ihren Einsatz gelte ein besonderer Dank der Firma Tarakos, die mit finanzieller Unterstützung ihren Beitrag geleistet hat.

Vielleicht deutet sich da ja schon ein Exportschlager der magdeburgischen Kultur- und Kreativwirtschaft an? International ist die Veranstaltung allemal, denn neben einheimischen waren in Taiwan außer den deutschen auch koreanische Künstler mit von der Partie.

Taiwanesen helfen den Künstlern mit

An den Taiwanesen ist den Magdeburgern aufgefallen, dass die Menschen sehr interessiert und bereit sind, zu helfen. Karsten Steinmetz: "Wir haben so gut wie kein Geld aufbringen müssen. Der Besitzer von dem Gebäude, die Stadt, aber auch Privatpersonen haben uns vor allem durch Sachspenden immer wieder unterstützt."

Und was bringt\'s den Magdeburgern für die Zukunft? Auf jeden Fall viele neue Kontakte und die Hoffnung, dass Taiwanesen nach Magdeburg kommen oder sich gar an Kunst- und Kultur-Veranstaltungen in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt beteiligen. Vor allem die Mitstreiter der Partnerorganisation sollten die Magdeburger einladen und ihnen zeigen, was in Magdeburg passiert, meint der Mann vom Kulturanker. Zumindest wollen die Magdeburger bei ihrem nächsten Projekt chinesische Ideen, zum Beispiel in Form von Kaligraphie, Tanz und Instrumenten, einfließen lassen.

Ganz nebenbei haben die Magdeburger Stadtwerbung betrieben. Für die Taiwanesen wurde so Magdeburg erst auf der Deutschlandkarte erkennbar. Karsten Steinmetz: "Sie wollten alles über unsere Heimatstadt wissen. Und vielleicht werden einige Gäste der Ausstellung - wenn sie denn mal in Deutschland sind - Magdeburg besuchen."

 

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