Magdeburg. Nein, ein begnadeter Entertainer ist Stefan Birkner wahrlich nicht. Niedersachsens FDP-Vorsitzender, Gastredner beim Neujahrsempfang der sachsen-anhaltischen Liberalen am Freitagabend in Magdeburg, doziert mit Gähn-Faktor über Politikbetrieb im Nachbarland. Einmal gibt es dann doch Heiterkeit im Saale des Ratswaage-Hotels: Als Birkner über seine Vertrautheit mit den Befindlichkeiten der Grünen spricht. Sein Schwager sei immerhin Robert Habeck, grüner Energiewendeminister in Schleswig-Holstein, offenbart Birkner.

Es ging schon wesentlich weltläufiger zu bei den FDP-Empfängen. Im Vorjahr war der damalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle der prominente Gast. Damals regierten die Liberalen noch mit in Berlin - die Zeiten haben sich geändert.

Doch mit der Schockstarre nach dem Desaster bei der Bundestagswahl ist es bei der FDP offenbar vorbei. Landeschefin Cornelia Pieper jedenfalls versucht, mit markigen Losungen die Kampfeslust im Lande zu entfachen. "Die Chinesen haben für Krise und Chance das gleiche Zeichen", schmettert Pieper in den Saal. Sie appelliert an ihrer Parteifreunde, die FDP wieder zu einer starken politischen Kraft zu machen. Die Zielmarke gibt sie gleich mit vor: Am 25. Mai dieses Jahres wollen die Liberalen bei den Kommunal- und Europawahlen wieder Gewinne einfahren.

Für die Magdeburger FDP-Stadträtin Carola Schumann gibt es nur einen Weg zum Erfolg: "Wir müssen mehr mit den Menschen reden als über sie. Die Leute wollen keine Phrasen hören." Als Beispiel fällt ihr die Energiewende ein: Die sei ja richtig, dürfe aber nicht brachial und mit falschen Versprechungen durchgezogen werden.

Im kommunalen Bereich ist auch Vize-Landescheft Marcus Faber zu Hause. Seit drei Jahren ist er Stadtrat in Stendal. Die FDP stelle jetzt ihre Kandidaten für die Kommunalwahlen auf und habe damit trotz der Schlappe vom Herbst keine Probleme. "Unsere Listen sind so voll wie 2009", erklärt Faber voller Selbstbewusstsein.

Klassisches FDP-Parteivolk verkörpert Jörg Erdsack aus Halle, der keine Funktion hat und überzeugt ist: "Es kann nur nach oben gehen. Die FDP verschwindet nicht einfach." Der Hallenser Stadtverband habe einige Neuzugänge verzeichnet. Bitter sei es allerdings für Halle und Sachsen-Anhalt, dass Cornelia Pieper nicht mehr in der Bundesregierung sitze.

"Die FDP ist mein Hobby."

Die Ex-Staatsministerin will sich in die Parteiarbeit stürzen. "Die FDP ist mein Hobby. Ich konzentriere mich voll auf das Comeback der Partei", erklärt sie mit Entschiedenheit. Und wie steht es mit Plänen für ihre berufliche Zukunft? Damit werde sie sich nach dem Wahlsonntag Ende Mai beschäftigen, antwortet Pieper. Sie schafft sich also im Gegensatz zu anderen Politiker-Kollegen eine ganz persönliche Karenzzeit.

 

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