Saarbrücken (dpa). Nach 44 Jahren hat eine Postkarte aus der DDR ihr Ziel im Westen erreicht - und eine Reise durch die deutsch-deutsche Geschichte hinter sich. Alles begann 1969: Günter Zettl, Oberschüler in Waren an der Müritz, hört über Mittelwelle die Europawelle Saar des Saarländischen Rundfunks. Er will bei einem Preisrätsel der Kultsendung "Hallo Twen" mitmachen. Schließlich geht es um das Lied "Painter Man" seiner Lieblingsband The Creation. Zettl schickt eine Postkarte an den Saarländischen Rundfunk. Sie kommt erst 2013 in Saarbrücken an.

Die Staatssicherheit zog die Karte aus dem Verkehr. Günter Zettl sitzt damals vor seinem Röhrenradio und hofft, dass sein Name von "Hallo Twen"-Moderator Manfred Sexauer unter den Gewinnern ist. Vergeblich.

Bei ihm geht es in den Folgejahren turbulent zu. Nach einer Ausbildung zum Kfz-Handwerker wird er Lehrer, aber weil er einer Volkskammerwahl fernbleibt, belegt man ihn mit einem Berufsverbot. 1983 geht er in die Bundesrepublik, arbeitet in einer Computerfirma. Er lebt auch mehrere Jahre in Spanien. Erst 2010 denkt er sich: "Jetzt machst du\'s auch mal und guckst in deine Akte rein." Die Stasi-Akte offenbart eine Überraschung: eine Kopie der damaligen Postkarte.

Zettl lässt sich das Original aushändigen: "Dann habe ich sie dem Saarländischen Rundfunk zukommen lassen." Im SR wird gestaunt über die Karte. Er veranstaltet eine "Sonderziehung" für Zettl, obwohl es die Radiosendung seit 40 Jahren nicht mehr gibt. Am 14. Januar, wenn die Europawelle Saar ihren 50. Geburtstag feiert, wird Zettl dabei sein. "Wir laden die Familie ein", sagt ein SR-Sprecher. Praktisch als "kleines Trostpflaster".