Wernigerode. Deutschlands Biertrinker haben jahrelang zu viel für den Gerstensaft bezahlt, weil große Brauereien verbotenerweise Preiserhöhungen untereinander abgesprochen haben. Das Bundeskartellamt verhängte dafür gegen die Hersteller Barre, Bitburger, Krombacher, Veltins und Warsteiner sowie sieben Manager Bußgelder von insgesamt 106,5 Millionen Euro.

Ausgelöst hatte das Verfahren der Konzern Anheuser-Busch InBev, zu dem auch die Marke Hasseröder mit Sitz in Wernigerode gehört. Das Unternehmen fällt damit unter Kronzeugenregelung und wird nicht bestraft. Anheuser-Busch InBev habe "nach einer internen Überprüfung bei den Untersuchungen des Bundeskartellamtes kooperiert", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens.

Nach Angaben des Kartellamts war 2008 zwischen den bestraften Brauereien eine Preiserhöhung um einen Euro für den Kasten Bier verabredet worden. Bei Fassbier gab es 2006 und 2008 Absprachen über jeweils 5 bis 7 Euro höhere Preise pro Hektoliter.

Der Geschäftsführer der Köthener Bier GmbH, Michael Schölzel, bezeichnete gegenüber der Volksstimme die Preisabsprachen der Branchenriesen als "verwerflich". Schölzel: "Das Vorgehen des Kartellamtes ist berechtigt." Die Köthener Brauerei, die zum Pfungstädter Brauhaus in Hessen gehört, beschäftigt 20 Mitarbeiter und produziert im Jahr 120.000 Hektoliter Bier. Schölzel wies zugleich auf die steigenden Kosten für Rohstoffe, Energie und Löhne hin. "Da sind irgendwann Preiserhöhungen unumgänglich - aber nicht auf diese Art und Weise."

Die Bierproduktion in den mehr als 1300 Brauereien in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Auch der Pro-Kopf-Verbrauch ist gesunken. Im Jahr 2006 tranken die Bundesbürger im Schnitt 116 Liter Bier, zuletzt waren es noch 105 Liter. In der Brauereiindustrie arbeiten fast 27.000 Menschen. Sie erwirtschaften einen Jahresumsatz von etwa 8 Milliarden Euro.