Hamersleben l Bei einem Überfall auf eine Sparkassenfiliale in Hamersleben (Börde) hat am Donnerstagabend ein Räuber zwei Angestellte mit einer Pistole bedroht und mehr als 100.000 Euro erbeutet. Es ist der vierte bewaffnete Raub in den vergangenen neun Monaten im Umkreis von 60 Kilometern Entfernung.

Die Börde-Sparkassenfiliale in Hamersleben liegt direkt an der Bundesstraße 245. Zwei Mitarbeiterinnen im Alter von 54 und 56 Jahren wollen gerade Feierabend machen und das Geldinstitut verlassen. Es ist Donnerstagabend gegen 18.15 Uhr.

Als sie die Außentür öffnen, steht plötzlich ein etwa 1,85 Meter großer Mann vor ihnen. Im Gesicht ist er mit schwarzer Tarnfarbe wie "Rambo" beschmiert und hält den Frauen eine Pistole vor das Gesicht.

"Los, los", drängt er die Frauen zurück in die Geschäftsräume. Dort will er wissen, wo es zum Tresorraum geht. Immer wieder fuchtelt der Mann den Frauen mit der Waffe vor dem Gesicht herum, droht jederzeit abzudrücken. Er verlangt das Öffnen des Tresors und des Geldautomaten.

Die Angestellten folgen der Aufforderung und der Täter entnimmt schließlich aus einer Geldkassette eine Bargeldsumme in Höhe von mehr als 100.000 Euro. Die Scheine steckt der Täter in einen mitgebrachten Beutel. Die beiden Frauen, die sich zu diesem Zeitpunkt noch immer in seiner Gewalt befinden, müssen sich auf den Boden legen. Ansonsten werde er Gewalt anwenden.

Der mit einer dunklen Jacke, grünen Mütze, blauer Jeans und braunkariertem Schal bekleidete Räuber flüchtet über einen Hintereingang. "Ob dort ein Komplize auf den Täter gewartet hat, wissen wir bisher nicht", erklärt später Polizeirat Joachim Albrecht vom Revier Börde. Auch der Einsatz der Fährtensuchhunde am späten Abend bringt die Beamten nicht weiter. Möglicherweise hat in der Nähe ein Auto gewartet.

Polizei untersucht noch die Videoaufzeichnung

Den Ermittlern drängt sich ein weiterer Verdacht auf. Der Überfall könnte im Zusammenhang mit einer ungewöhnlichen Häufung von Raubüberfällen auf Sparkassenfilialen in einer Entfernung von maximal 60 Kilometern stehen. Sie alle haben nicht nur nahezu die gleiche Begehungsweise und wurden in einem Zeitraum von neun Monaten begangen. Im Jahr 2013 und 2014 gab es nach Angaben von Beatrix Mertens, der Sprecherin der Polizeidirektion Nord, im gesamten mittleren und nördlichen Sachsen-Anhalt auch nur vier bewaffnete Raubüberfälle auf Geldinstitute. Eben jene in diesem Bereich.

Die letzte Tat war am Dienstagabend in Gatersleben im Salzlandkreis, zwei Tage vor dem Überfall im 38 Kilometer entfernten Hamersleben. Zwei mit Sturmhauben maskierte Räuber drängten dort die Mitarbeiterinnen der Sparkassenfiliale gegen 18.15 Uhr ebenfalls zurück in die Räume und forderten den Tresor zu öffnen. Erst als eine Zeugin das Geschehen von außen bemerkte und laut schrie, ergriffen die Täter ohne Beute die Flucht. Die Videoaufzeichnung muss noch ausgewertet werden, sagt Marco Kopitz vom Revier Salzlandkreis. In Wegeleben im Vorharz haben am 21. November gegen 17.45 Uhr ebenfalls zwei maskierte Räuber die Sparkassenmitarbeiterinnen mit einer Pistole bedroht und die Herausgabe von mehreren tausend Euro erpresst. Hier flüchteten die Täter mit einem dunklen BMW.

In Mehringen bei Aschersleben im Salzlandkreis hatten am 29. April gegen 7.30 Uhr zwei maskierte Räuber vor dem Dienstantritt den Hausmeister der Sparkassenfiliale überwältigt. Beide Täter wollten auf die Mitarbeiter mit dem Tresorschlüssel warten, sind dann aber doch ohne Beute geflüchtet. Die Räuber nahmen nur die Brieftasche und das Handy des Hausmeisters mit.

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