Magdeburg l Es ist eine düstere Prognose: Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Sachsen-Anhalt um 40 Prozent zunehmen. Das geht aus dem Pflegereport der Barmer GEK hervor. Derzeit gibt es im Land etwa 80000 Menschen, die durch Krankheit oder Alter auf Pflege angewiesen sind. Diese Zahl wird in den kommenden 16 Jahren auf mehr als 110000 Personen steigen.

Die Zunahme an Pflegebedürftigen wird umso deutlicher, da die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt im gleichen Zeitraum von derzeit 2,3 Millionen auf voraussichtlich 1,9Millionen Einwohner sinken wird. "Das stellt Politik, Krankenkassen und Pflegeeinrichtungen vor wachsende Herausforderungen", sagt Axel Wiedemann, Landesgeschäftsführer Sachsen-Anhalt der Barmer GEK. Das Land liegt mit der Zunahme der Pflegebedürftigen unter dem Bundesschnitt von 47,4 Prozent. Besonders dramatisch wird laut Prognose die Lage in Brandenburg. Dort steigt die Zahl der Pflegefälle um 72 Prozent.

Der Pflegereport offenbart auch in Sachsen-Anhalt Brennpunkte: besonders die Städte Magdeburg (52,4 Prozent), Dessau-Roßlau (50,6 Prozent) und Halle (45,8 Prozent) werden betroffen sein, aber auch das Jerichower Land (54,6 Prozent). Geringer fällt die Steigerung im Burgenlandkreis (28,3 Prozent) oder Anhalt-Bitterfeld (31,4Prozent) aus. "Die erheblichen regionalen Unterschiede machen deutlich, dass die künftige Pflegepolitik einen stärkeren lokalen Bezug braucht", sagt Wiedemann.

Als Hauptursache für den Anstieg sieht der Report den demografischen Wandel. Denn mit dem Alter steigt das Pflegerisiko. Besonders in Sachsen-Anhalt steigt der Anteil der über 65-Jährigen - von derzeit 24 auf 35 Prozent der Bevölkerung. Ein besonders großes Risiko besteht bei Frauen, weil sie statistisch gesehen älter werden als Männer. Zwei von drei Frauen werden wahrscheinlich zum Pflegefall. Bei den Männern ist dies jeder Zweite.

Pflege wird in Zukunft auch immer mehr zu einem finanziellen Thema werden. Die Barmer zeigt in ihrer Untersuchung, dass der Eigenanteil in der stationären Pflege bei Pflegestufe I von 1039 Euro im Jahr 1999 auf 1380 Euro im Jahr 2011 gestiegen ist. Bei der Pflegestufe II liegt der Anteil inzwischen gar bei 1802 Euro.

Ähnliches gilt für die finanzielle Unterstützung durch den Staat. So ist die Zahl derer, die Betreuungsleistungen für ambulante Pflege erhalten haben, von 2009 bis 2012 um 140 Prozent angestiegen. Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich daher auch zum Ziel gesetzt, die Pflegeleistungen binnen vier Jahren um 25 Prozent zu steigern.

Bilder