Magdeburg/Halle l Die Landesstelle für Kinder- und Jugendschutz steht offenbar vor dem Aus. Volksstimme-Informationen zufolge soll die Stelle zum Ende des Jahres aufgelöst und ihre Aufgaben auf andere Träger der Kinder- und Jugendhilfe im Land übertragen werden.

Im September 2013 war bekannt geworden, dass Geschäftsführer und Medienpädagoge Arnfried B. Kinderpornos gesammelt und verbreitet haben soll. Er hatte die Vorwürfe eingeräumt und wurde bereits entlassen, die Staatsanwaltschaft ermittelt noch gegen ihn. Dass ein Pädagoge, der Kinder und Jugendliche vor Gewalt und Pornografie im Internet schützen sollte, über Jahre hinweg unbemerkt selbst Täter war, hat nun Folgen: Innerhalb der Landesverwaltung gibt es Überlegungen, die Aufgaben auf andere Verbände zu verteilen, damit eine bessere Kontrolle gewährleistet ist.

Genannt werden unter anderem der Deutsche Kinderschutzbund sowie fjp>media, der Verband junger Medienmacher in Sachsen-Anhalt. "Wir schmeißen unseren Hut in den Ring", bestätigt Kinderschutzbund-Geschäftsführerin Andrea Wegner der Volksstimme. Man habe Interesse angemeldet, damit die gute Arbeit der Landesstelle ohne Abbruch weiterläuft. "Ja, wir sind im Gespräch", sagt auch Olaf Schütte von fjp>media. Was die Medienarbeit angeht, sei der Verband, der auch das jährliche Jugendmedientreffen organisiert, landesweit am kompetentesten.

Landesmittel für Kinder- und Jugendschutz nicht gekürzt


Hendrik Möser, ehrenamtlicher Vorsitzender des Trägervereins der Landesstelle, kann das Aus nicht bestätigen. "Nein, davon weiß ich nichts." Wie es weitergeht, wolle man jedoch im März auf der nächsten Mitgliederversammlung beraten - ergebnisoffen, betont Möser. Fakt ist: Der Verband, der die Aufgaben der Landesstelle und deren Mitarbeiter übernimmt, sichert in Zeiten stetiger Kürzungen im Landeshaushalt auch das eigene Überleben.

Die Landesstelle für Kinder- und Jugendschutz betreibt derzeit zwei Büros: In Halle informieren zwei Pädagoginnen über Sekten und Okkultismus, in Magdeburg kümmert sich eine Kollegin um die medienpädagogische Arbeit, veranstaltet mit Schülern, Eltern und Lehrern Seminare und Projekte rund um Medien. Diese Arbeit stehe nicht zur Debatte, betont das Sozialministerium. Man habe großes Interesse an einem effektiven Kinder- und Jugendschutz, so ein Sprecher. Die Landesmittel für 2014 in Höhe von 110.000 Euro seien deshalb nicht gekürzt worden. Doch die Träger seien nun aufgefordert, sich neu aufzustellen und vorhandene Synergien zu nutzen.

Unterdessen steht das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Halle gegen Arnfried B. kurz vor dem Abschluss. Man sichte aber noch das umfangreiche Beweismaterial, sagte ein Sprecher der Volksstimme.