Magdeburg l Ein Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemüht sich um die Freilassung des Entführten, gab aber auf Volksstimme-Anfrage keine näheren Auskünfte. Die sachsen-anhaltische Staatskanzlei bestätigte aber Angaben, nach denen der etwa 70 Jahre alte Mann in Haldensleben zu Hause ist und in Sanaa einen Arabisch-Kurs besuchte. Einen terroristischen Hintergrund hat die Entführung offenbar nicht: Laut jemenitischem Außenministerium will der Kidnapper die Freilassung seiner inhaftierten Söhne erpressen.

Der Jemen ist seit Jahren ein Unruheherd. Der "Arabische Frühling" hatte Anfang 2011 auch an der Südspitze der arabischen Halbinsel zu monatelangen massiven Protesten geführt. Der diktatorisch regierende Präsident Ali Abdullah Saleh musste daraufhin im November 2011 die Macht abgeben. Übergangspräsident ist seit zwei Jahren Salehs früherer Stellvertreter Abed Rabbo Mansur Hadi. Trotz eines im März 2013 begonnenen "Nationalen Dialoges", bei dem jüngst die Bildung eines föderalen Staates vorgeschlagen wurde, ist es bisher nicht gelungen, den Jemen zu befrieden.

Auswärtiges Amt warnt vor dem Jemen

Im Norden des Landes operieren die schiitischen Houthi-Rebellen, die gegen die sunnitische Zentralregierung in Saana kämpfen. Im Süden des Landes gibt es Abspaltungsbestrebungen. Der früher sozialistische Südjemen wirft dem Nordjemen vor, nach der Vereinigung 1990 vernachlässigt worden zu sein. Zudem agiert im Lande die Terrorgruppe "Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel".

Immer wieder gehören Deutsche zu den Opfern von Gewalt: Zuletzt im Dezember 2012, als bei einem Angriff auf das Verteidigungsministerium unter den 52 Toten auch zwei deutsche Mitarbeiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit waren.

Bei den häufigen Entführungen im Jemen wollen die Kidnapper meist die Freilassung von Miliz- oder Stammesangehörigen aus dem Gefängnis erzwingen oder Lösegeld eintreiben. Vom Auswärtigen Amt wird vor Reisen in den Jemen gewarnt.