Burg. Es wurde mit einem Gratis-Ausflug zum Blumen- und Einkaufscenter in einen nicht näher genannten Ort geworben. Ein 65-Jähriger aus dem Raum Genthin nutzte das Angebot und fuhr am 27. Januar mit. Auf der Fahrt kaufte er DVD-Recorder, Flachbildschirm und Nahrungsergänzungsmittel im Wert von 4000 Euro. Das Geld hatte er nicht dabei. Der Veranstalter fuhr mit ihm nach Hause, dann zu den Sparkassen in Burg und Genthin, die aber jedoch bereits geschlossen hatten.

Am Folgetag überbrachte ihm ein Mitarbeiter der Firma seine Waren und nahm das Geld entgegen - ohne Rechnung oder sonstigen Beleg. Im Nachhinein stellte sich die Qualität der Ware als minderwertig heraus. Der Rentner fühlte sich betrogen und erstellte Anzeige. "Leider ist er zu spät aufgewacht. Im Nachhinein, ohne Rechnung etwas wieder zu bekommen, kann schwierig werden", sagt Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch.

Ein ähnliches Angebot bekam am Wochenende auch Gabi Meyer* aus Burg. "Es geht um die Auflösung der Fa. HTF-Europazentrale, die sie vor kurzer Zeit angeschrieben hat bzw. wo sie mitgefahren sind und Ihr versprochener Hauptgewinn nicht an Sie übergeben wurde", heißt es in dem Schreiben an Frau Meyer. Sie sei als Kundin dort geführt und auf dem Konto habe sich ein Guthaben von 300 Euro aufgebaut.

Der Briefschreiber gibt sich als Abwickler der Firma aus und gebe der Burgerin "letztmalig die Chance, ihr Konto auszugleichen". Das Guthaben könne nicht zugestellt werden und solle mit einer kleinen Feier verrechnet werden. Die Kontoauflösung soll dann am 18. Februar in einem Reisebus stattfinden. Dazu kann man in Elbe-Parey, Güsen, Burg, Möckern, Königsborn oder Biederitz zusteigen. Zusätzlich wartet auf Frau Meyer ein "Riesenpräsentkorb mit deutschen Delikatessen, ein Schwarzwälder Rauchschinken und einem Gänsebraten", heißt es im Schreiben weiter. "Bei den Vorfällen in Burg und Genthin handelt es sich um unterschiedliche Firmen, aber die Masche ist vergleichbar", so Polizeisprecher Kriebitzsch.

Für die Burgerin ist so ein Schreiben kein Einzelfall. "Ich habe solche Gewinnversprechen schon öfter bekommen. Sie wandern sofort in den Papierkorb", sagt sie. Auf dem Umschlag war kein Adressat. "Das ist einfach nur Humbug und bekommt von mir keine Beachtung", so die Burgerin. Auf eine Anzeige habe sie verzichtet. "Gegen wen soll ich die denn auch stellen?", fragt sie.

Tatsächlich wäre der Erfolg einer solchen Anzeige eher unwahrscheinlich, denn laut Kriebitzsch handelt es sich bei solchen Gewinnschreiben nicht um einen Betrug im strafrechtlichen Sinn. "Es ist eine mit blumigen Worten gefertigte Einladung zu einer Kaffeefahrt. Jeder kann stets selbst entscheiden, ob er daran teilnimmt oder nicht", so der Polizeisprecher. Doch eines macht er deutlich: "Wer daran teilnimmt und mit dem versprochenen Geld in bar rechnet, der wird sicher enttäuscht werden." Dabei richten sich die Veranstalter gezielt an ältere Kunden. "Jeder Empfänger solcher Schreiben muss selbst entscheiden, ob er sich darauf einlässt oder eben nicht", betont Kriebitzsch.

*Name v. d. Red. geändert