Magdeburg l Mit einer launigen Lesung hat Clemens Meyer seinen neuen Roman "Im Stein" am Donnerstagabend im Magdeburger Literaturhaus vorgestellt. Mit dem Bremer Literaturpreis im Gepäck und der Shortlist beim Deutschen Buchpreis hat der Leipziger einen Hit gelandet. Wer Meyer noch von Lesungen seines Erstlings "Als wir träumten" kennt, der weiß, dass der Autor schon immer zu wortkarger Schrulligkeit neigte. Diesen Stil hat er inzwischen perfektioniert: Tür auf, Meyer rein, Buch auf. Kurzer Blick ins zahlreich erschienene Publikum und Start: "Girl, Girl, Girl. Lass mal sehn, wie die Sterne heute stehn".

"Im Stein" handelt, wie Meyer selbst sagt, vom Aufbau Ost der harten Tour. Er beschreibt in diesem Prostitutionsdrama, wie das Geschäft mit dem Sex zur Boombranche wurde. Auch wenn die Stadt im Roman Eden City heißt, ist damit Leipzig gemeint. In einem mächtigen Stimmgewirr hat Meyer das Milieu einer Zeit zusammengefasst. Da ist von Engeln die Rede, alternden Komissaren, Leichen in den Mooren vor der Stadt und immer wieder von der Rotlichtgröße Arnold Kraushaar. Meyer schafft es wie derzeit kein zweiter Autor, einen Sound zu vermitteln. Den Sound der Straße. Kritiker werfen ihm vor, ein Milieu zu romantisieren. Falsch, sagen die anderen. Denn in erster Linie ist Meyer Beobachter.

Nach der Lesung gibt Meyer - fast schon im Plauderton - Auskunft auf Fragen. Hier die wichtigsten Erkenntnisse: Meyer mag Märchen, der Vergleich von Eden City und Leipzig ist zulässig, und irgendwie kann man auch an Personen wie Kraushaar das große Drama von Aufstieg und Fall eines Königs erzählen.