Magdeburg l Es sollte am Sonntagabend gegen 19 Uhr mitten in Magdeburg in der Nähe vom Hasselbachplatz eine lapidare Verkehrskontrolle werden. Zwei Streifenpolizisten wollen einen Radfahrer nur darauf aufmerksam machen, dass er ohne Licht fährt. Sie stoppen den etwa 40-Jährigen. Seine jüngere Begleiterin lassen die Beamten passieren. Der Mann will sich nicht ausweisen. Stattdessen wird er aggressiv.

Als der Unbekannte in die Pedale tritt, will ihn der 46-jährige Polizeihauptmeister Richard Kreuter aus Magdeburg am Oberarm festhalten. In diesem Moment dreht sich der als kräftig und athletisch beschriebene Radfahrer um und versetzt dem Beamten einen Schlag ins Gesicht. Sein 32-jähriger Kollege zieht daraufhin das Pfefferspray und gibt einen Sprühstoß gegen den Angreifer ab. Der Mann flüchtet kurz.

Die Beamten nehmen daraufhin die Verfolgung auf. Kreuter sagt später im Krankenhaus: "Dann nahm er das schwere Kettenschloss, das er um seinen Hals trug, und lief damit schleudernd auf uns zu."

Zum Glück ist ein Arzt in der Nähe

Der Angreifer schlägt mit voller Wucht das Panzerschloss gegen das Bein des Polizisten. Dieser bricht unter starken Schmerzen zusammen. Das Schien- und Wadenbein hat es dabei komplett durchschlagen.

Kreuters Kollege setzt erneut Pfefferspray ein. Erst danach lässt sich der Mann von einem weiteren Angriff abhalten. Er flüchtet. Der Polizeihauptmeister liegt schreiend am Boden. Sein Kollege hält sich die Augen zu, weil er selbst von dem Sprühnebel des Pfeffersprays etwas abbekommen hat. Mehrere Zeugen finden sich ein. Darunter ist auch ein Arzt. Zum Glück, wie sich kurze Zeit später herausstellt.

Die Besatzung des alarmierten Rettungswagens hat zwar Schmerzmittel an Bord, darf diese aber wohl nicht ohne Notarzt spritzen. "Der war zum Zeitpunkt leider nicht sofort verfügbar", erzählt Kreuter. Der anwesende Arzt soll dann aber das Spritzen der Schmerzmittel übernommen haben.

In der Universitätsklinik Magdeburg wird der Familienvater sofort für eine Operation vorbereitet. Die durchgebrochenen Knochen werden versorgt. An erste Schritte mit Krücken ist auch am Montagnachmittag noch lange nicht zu denken. "Bis zur Dienstfähigkeit wird es wohl noch Monate dauern", befürchtet der Vater von vier Kindern. Sein jüngster Sohn ist acht Monate alt.

Der 32-jährige Kollege des Beamten kann nach der Behandlung in der Augenklinik wieder entlassen werden.

Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) verurteilt die Tat scharf: "Es ist der traurige Beleg für die Hemmungslosigkeit Einzelner gegenüber der Polizei und bestätigt leider auch die kürzlich veröffentlichten Zahlen." Danach wurden bei Übergriffen 205 Beamte im vergangenen Jahr verletzt, 2012 waren es 136.

Die Kripo fahndet nach dem flüchtigen etwa 1,65 Meter großen Täter. Er war mit einem weißen, auffallend hellen Fahrrad ohne Schutzbleche unterwegs. Insbesondere sucht die Polizei nach der jungen Frau, der Begleiterin des Mannes.

Hinweise erbittet die Polizei unter Telefon (0391)5461091