Sotschi/Magdeburg l Toni Eggert und Sascha Benecken strahlten in den vergangenen Tagen mit der Sonne. Und sie ließen die Fans auf ihrer "Facebook"-Seite an ihrer Vorfreude auf ihren Wettbewerb teilhaben. Sie schrieben dort: "Herrlichstes Wetter. Wir freuen uns und sind gespannt." Und dann erlosch die Spannung für den 25-jährigen Eggert aus Ilsenburg und seinen 23-jährigen Doppelsitzer-Partner viel zu früh.

Ihr Traum von einer Medaille bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi ist am Mittwoch nach einem Fehler im ersten Lauf geplatzt. Im zweiten Durchgang kämpften sie sich noch auf Rang acht vor. "Wir sind alle sehr enttäuscht", berichtete Jens Eggert, Tonis Onkel und Chef des Rodel- und Schlittenverbandes Sachsen-Anhalt, der den Kampf um Medaillen der Olympia-Debütanten in Krasnaja Poljana direkt an der Bahn verfolgt hatte.

Dennoch jubelten wieder die deutschen Rodler über Gold. Nach Felix Loch und Natalie Geisenberger krönten nun auch Tobias Wendl/Tobias Arlt ihre überragende Leistung der vergangenen zwei Jahre. Lediglich zweimal wurde der "Bayern-Express", Weltmeister von 2013, in dieser Saison geschlagen, jeweils von Eggert/Benecken beim Weltcup in Lillehammer und in Oberhof. Kein Wunder also, dass sich auch Jens Eggert mehr erhofft hatte von seinem Neffen. "Eine Medaille wollen wir holen, wenn möglich Gold", hatte der Verbandschef lächelnd vor seiner Abreise erklärt.

Toni Eggert hatte sich vor den Spielen selbst in Zurückhaltung probiert, was dem passionierten Flugzeugpiloten allerdings nur schwer gelungen ist. "Von uns erwartet in Sotschi niemand etwas", erklärte der Polizeimeister also. Aber Eggert ist für seinen Ehrgeiz bekannt. Wohl nie zuvor hatte er so viele Sommertage und -nächte im vergangenen Jahr vor dem Saisonstart in Opa Walters Garage in Ilsenburg verbracht. Er wollte einen schnelleren Schlitten bauen, er hat auch einen schnelleren Schlitten geschaffen. Aber mit der höheren Geschwindigkeit vergößerte sich wohl auch das Risiko im Eiskanal.

Schon im vergangenen Jahr hatte es Eggert/Benecken beim Weltcup in Sotschi gegen die Wand geschlagen. Auch damals waren sie in einer Kurvenausfahrt zu lange an der Wand hängengeblieben. "Den Fehler werden wir nicht noch einmal machen", sagte damals Eggert. Aber der Fehler passierte erneut, und in Sotschi kostete er gleich 0,901 Sekunden im Vergleich zu Wendl/Arlt. Die viertbeste Zeit im zweiten Lauf reichte nicht mehr aus, um sich von Platz zehn in die Medaillenränge zu katapultieren. "Ich habe nicht mit ihnen gesprochen", erklärte Jens Eggert, "aber man hat gesehen, dass sie fix und fertig sind."

Den Traum von einer Medaille haben sich Wendl/Arlt erfüllt, sie haben ihn vergoldet. Sie haben mit dem zweitgrößten Vorsprung (0,522 Sekunden) in der Geschichte des olympischen Rodelns gewonnen. Den Rekord halten Klaus Bonsack/Thomas Köhler (DDR) mit 0,590 Sekunden, erzielt bei den Winterspielen 1968. Dabei hatten Wendl/Arlt nicht nur sonnige Tage erlebt in den vergangenen Jahren. Der Pilot hat aber sein Erfolgsrezept gefunden: "Nur durchs Verlieren lernt man das Siegen." Der Spruch passt jetzt auch an Eggerts Wand.