Staßfurt/Rathmannsdorf l Schon die Treppe zum Sitzungsraum war flankiert von Müttern und Kindern. "Wo ist unser Spielplatz?", fragten die Kleinen auf ihren Plakaten. Etliche Eltern aus Rathmannsdorf und die Kita "Rappelkiste" hatten die Plakate vorbereitet. "Wir wollen, dass unser Spielplatz, der in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgebaut wurde, schnell ersetzt wird", sagte die Rathmannsdorferin Franziska Weber. Die Eltern um den Ortsbürgermeister Klaus Magenheimer (Linke) und Stefan Stange als Sprecher des Protestes hatten 585 Unterschriften für einen neuen Spielplatz gesammelt.

Doch bevor das Thema Spielplatzkonzept - erst ganz hinten auf der Tagesordnung - drankam, hielten es Stefan Stange und weitere Väter nicht auf den Sitzen. Sie lieferten sich ein knallhartes Wortgefecht mit Oberbürgermeister René Zok (parteilos).

Stefan Stange trat entschlossen, sichtlich wütend, ans Mikrophon und verlangte Antworten. "Seit 2010 stand unser Spielplatz ganz oben auf der Prioritätenliste, war also im schlechtesten Zustand. Wieso hat sich bis jetzt nichts getan? Warum haben in der Zwischenzeit andere Orte wie Förderstedt, Üllnitz, Glöthe, Brumby aber einen neuen Spielplatz bekommen", fragte er.

OB Zok erklärte ihm: Die Prioritätenliste hat sich im Laufe der vergangenen Jahre verändert - der Zustand der Geräte veränderte sich - je nach Frequentierung und Belastung. Es gab fortlaufende Prüfungen. Die Annahme Stanges war nicht ganz richtig: Der Rathmannsdorfer Spielplatz stand zwar 2012 und 2013 ganz oben auf der Liste, 2010 aber rangierte er nur auf Platz 4 und 2007 auf Platz 6 - so steht es auch in der Spielplatzanalyse der Stadt.

Stange blieb am Mikrophon, hakte nach: "Und warum wurde nicht einmal unser Ortsbürgermeister über die Sperrung des Spielplatzes informiert?" Zok sagte: "Das stimmt so nicht, ich weiß genau, dass er darauf hingewiesen wurde." Stange wieder, vom Publikum angefeuert: "Und dieser große Spielplatz in Nord - hätte man davon nicht viele kleine Spielplätze für die Orte bauen können?" Auch hier erklärte Zok, langsam immer ungeduldiger: "Der Spielplatz gehört zum Projekt \'Familienfreundliches Wohnquartier\' und läuft über Fördermittel." Diese Mittel gehen direkt in dieses Projekt und können nicht anderweitig verwendet werden.

Ein zweiter Vater, Jörg Kleemann, trat ans Mikrophon: Was denn mit Frequentierung gemeint sei? Wieso es seit 2012 bis jetzt noch keinen neuen Spielplatz gab, obwohl Rathmannsdorf dann schon auf Platz 1 stand? Warum kein Geld eingestellt wurde? Zok wirkte langsam genervt, wiederholte seine Antworten von zuvor, verwies auf verschiedene Bedingungen an den Spielplätzen: Witterung, Belastung und anderes.

Magenheimer schaltete sich ein: "Dass ich informiert gewesen wäre, ist falsch. Ein Mitarbeiter des Stadtpflegebetriebs rief mir mal vom Auto aus zu: \'An eurem Spielplatz müssen wir mal was machen\'", so Magenheimer. Alle anderen Informationen kamen erst nach der Sperrung, sagte er und übergab dem OB die Unterschriften.

Wieder Kleemann, dann Stange am Mikrophon, die weitere Fragen nachschoben und im Tonfall immer energischer wurden. Schließlich: "Herr Zok, ich habe das Gefühl, Sie sind genervt. Aber wissen Sie was? Wir Eltern, wir sind auch genervt!" Stadtratsvorsitzender Walter Blauwitz (Linke) wollte die Diskussion abbrechen. Der OB zückte seinen Kalender und bot einen persönlichen Termin an: "Dann erkläre ich Ihnen alles." "Ja, na wann denn?", rief Kleemann aus den hinteren Reihen.

Es ging soweit, dass sich Stange und der OB konkrete Terminvorschläge über die Köpfe der Stadträte hinweg zuriefen. Ein Termin wurde zwar dann doch nicht vereinbart, das soll aber bald geschehen.

Die Fortschreibung des aktuellen Spielplatzkonzepts - dort steht ein neuer Spielplatz für Rathmannsdorf an oberster Stelle - wurde später im Stadtrat auch beschlossen. Blauwitz hatte den Eltern am Abend mehrfach zugesichert: "Sie können jetzt Hoffnung haben". Jedoch hat die Fortschreibung des Konzepts keine Relevanz, denn der Haushalt für 2014 ist noch nicht beschlossen, daher kann kein Geld für einen neuen Spielplatz in Rathmannsdorf eingestellt werden.

   

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