Magdeburg l Seit den Morgenstunden des Montags steht der Bauzaun vor dem Block Breiter Weg 261 bis 264. Eigentümer von jeweils zwei Eingängen sind die MWG Wohnungsgenossenschaft Magdeburg und die Wohnungsbaugenossenschaft "Otto von Guericke". Der Rückbau des Gebäudes aus den 1960er Jahren erfolgt in enger Zusammenarbeit beider Akteure.

Jörg Sopauschke ist Technischer Leiter der MWG und sagt: "Wir haben unsere Wohnungen im November leergezogen." Seitdem wurde der Plattenbau von den Netzen für Strom, Gas und Wasser getrennt, in den kommenden Wochen sollen nun die Entkernungsarbeiten über die Bühne gehen. Und ab Mai sollen dann die Abrissarbeiten beginnen.

Das wäre ab dem Spätherbst bereits kein Problem gewesen - erst jetzt sind die Förderbescheide aus dem Stadtumbau-Programm für die Genossenschaften eingetroffen. Und die sind wichtig für die Akteure, belaufen sich doch allein die Abrisskosten auf sechsstellige Beträge. Bei der MWG schlagen für die beiden Eingänge so rund 375.000 Euro zu Buche, bei den Kollegen von der Guericke-Genossenschaft wird ein ähnlicher Preis fällig.

Magdeburgs Breiter Weg soll aufgewertet werden

Noch nicht so weit wie die Genossenschaften ist die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Wobau, der der ebenfalls für Abriss und Neubebauung vorgesehene Nachbarblock Breiter Weg 257 bis 260 gehört: Hier erhielten die Mieter jüngst per Post eine Mitteilung, dass in den kommenden Monaten Einzelheiten für deren Auszug besprochen werden sollen.

Grund für den Abriss der beiden unsanierten Blöcke ist die Einschätzung, dass eine Sanierung wirtschaftlich nicht vertretbar sei und dass mit einem Neubau an dieser Stelle eine städtebauliche Aufwertung des Areals möglich sei. Dies hatte durchaus auch für Kritik gesorgt, da der Wegfall preiswerten Wohnraums zugunsten von Luxusherbergen befürchtet wird.

Wie die Neubebauung des Areals und damit die Preisgestaltung allerdings genau geschehen soll, ist noch offen. Fest steht bereits jetzt, dass die beiden Genossenschaften ebenso wie die kommunale Wohnungsbaugesellschaft unterschiedliche Architekten engagiert haben.

Neukonzept am Breiten Weg soll historische Straßenfluchten aufnehmen

"Das entspricht durchaus der Intention, eine individuelle und kleinteilige Gestaltung für die Neubebauung zu gewährleisten", hebt Jörg Sopauschke einen Vorteil dieser Entscheidung hervor. Zumal die verschiedenen Ideen dennoch aufeinander abgestimmt werden sollen. Oliver Hornemann sagt: "Als Eigentümer dieses Grundstücks sind wir uns der architektonischen Herausforderung bewusst."

Einen Vorgeschmack auf unterschiedliche Konzepte und Möglichkeiten gibt es seit einigen Monaten ein paar Meter weiter. Der Guericke-Genossenschafts-Vorstand erläutert: "In der Fürstenwallstraße haben wir ein Pilotprojekt für das Wohnen der Zukunft in Betrieb genommen." Dazu gehören unter anderem eine Vernetzung der Haustechnik und Bedienung via Kommunikationselektronik. "Wir müssen aber zunächst die ersten Erfahrungen auswerten, um entscheiden zu können, welche Elemente sinnvoll und finanzierbar sind", so der Vorstand.

Voraussetzung, um mit den detaillierten Planungen beginnen zu können, ist zunächst aber der Beschluss eines Bebauungsplans. Zwar steht die Grundidee, historische Straßenfluchten aufzunehmen. "Aber die allein reichen für konkrete Entwürfe noch nicht aus", gibt Jörg Sopauschke zu Protokoll. Doch trotz aller offenen Fragen ist er optimistisch und sagt: "Wir hoffen, dass unser Neubau an dieser Stelle des Breiten Wegs bis zum Jahr 2017 fertiggestellt sein wird." Die Zustimmung von Oliver Hornemann hat er auch in diesem Punkt.<6>

   

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