Wer wo versichert ist
Die meisten freien Hebammen sind über den Deutschen Hebammenverband von einem Verbund von Nürnberger Versicherung, R+V-Versicherung und Versicherungskammer Bayern abgesichert. Weitere haben über den Bund freiberuflicher Hebammen Verträge mit Nürnberger Versicherung und der R+V. Einige, die nur Vor- und Nachsorge leisten, sind bei der Allianz.

Magdeburg l Das Versicherungssystem für freiberufliche Hebammen droht zu kollabieren. Die Frauen müssten ihren Job dann an den Nagel hängen. Auch in Sachsen-Anhalt sind Hunderte betroffen.

Antje Hase wird bange, wenn sie an den 1. Juli 2015 denkt. An diesem Tag verliert die selbständige Hebamme ihre Berufs-Haftpflichtversicherung. "Wenn nichts passiert, bin ich dann arbeitslos", sagt die Schönebeckerin. Denn ohne die Absicherung darf sie nicht praktizieren.

Hintergrund: Die Nürnberger Versicherung hat angekündigt, dass sie aus den zwei Verbünden aussteigt, die freiberufliche Geburtenhelferinnen absichern. Damit das System nicht zusammenbricht, brauchen die restlichen Versicherungen in den Verbünden einen neuen Partner oder müssten die Haftpflicht allein anbieten. Beides wird schwierig, weil das Geschäft nicht lukrativ ist. In Sachsen-Anhalt sind nach Schätzungen der Berufsverbände 300 der rund 400 freien Hebammen betroffen.

Die Versicherung ist schon lange ein Problem. In den vergangenen Jahren sind die Beiträge für die Hebammen explodiert. 2004 kostete der Schutz 1400 Euro im Jahr, ab Juli 2014 sind es 5100 Euro. Grund: Die Schäden nehmen zwar nicht zu, werden aber immer teurer, weil dank moderner Medizin die Lebenserwartung von schwerstgeschädigten Babys wächst. "Viele Mitglieder haben den Beruf schon aufgegeben", sagt Petra Chluppka vom Landeshebammenverband. Die Folge seien Versorgungslücken. Das bestätigt Hanna Ojus vom Bund freiberuflicher Hebammen: "Im Landkreis Harz waren wir vor einem Jahr noch zu viert, ab April bin ich allein."

Die Verbände fordern Hilfe vom Bund. Ein Vorschlag: Er könnte ab einer gewissen Schadenssumme einspringen. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will sich der Sache annehmen.