Magdeburg l "Maßlos enttäuscht" zeigt sich die Interessengemeinschaft (IG) Innenstadt über die Ratsabfuhr für den von der Verwaltung, respektive von Oberbürgermeister Lutz Trümer (SPD), vorgeschlagenen Neubau eines Gymnasiums in der Innenstadt. Eine knappe Ratsmehrheit war am vergangenen Donnerstag einem Gegenvorschlag der CDU zur Sanierung und zum Umbau des alten Berufsschulkomplexes am Lorenzweg als neuem Schulstandort gefolgt (Volksstimme berichtete). IG Innenstadt-Sprecher Arno Frommhagen nennt das eine "verheerende Entscheidung" und bezichtigt die dafür "verantwortlichen Kräfte im Stadtrat" der "Fantasie- und Mutlosigkeit". "Nicht nur, dass man Hunderten jungen Menschen so einen Schulweg zumutet, hat man die Chance vertan, eine interessante Architektur in der Innenstadt zu bekommen." Frommhagen: "Für die nächsten 50 bis 100 Jahre wird für viele Generationen Bildung im Ödland in Stein gemeißelt." Wir hoffen, so der IG-Sprecher weiter, dass der Oberbürgermeister nach der Stadtratswahl einen zukunftsweisenden Stadtrat an seiner Seite weiß."

Trümper räumt nach seiner Niederlage im Rat ein, dass er "das Ergebnis demokratisch zu akzeptieren" habe. Daneben verweist er aber darauf, dass es vor der entscheidenden Abstimmung im Rat sehr wohl Gespräche mit den Ratsfraktionen gegeben habe. Die CDU habe sich nicht auf einen klaren Kurs festlegen wollen, Linke wie Grüne hätten Zustimmung zum Bau in der Innenstadt signalisiert. Letztlich hatte das Ausscheren einzelner Linker und Grüner dem CDU-Vorstoß zur Umnutzung der alten Schulhäuser in Nordwest als neues Gymnasium zum Durchbruch verholfen.

Der CDU-Kreisverband Magdeburg feierte den Sieg auf seinem Parteitag am Sonnabend (siehe S. 11). Ratsfraktionschef Wigbert Schwenke verwahrte sich und seine Reihen gegen den Vorwurf, die CDU habe aus parteitaktischen Gründen und um dem Oberbürgermeister in die Parade zu fahren den Gegenvorschlag unterbreitet. Unter dem Beifall seiner Parteikollegen lobte er die Lorenzweg-Idee als die "nachhaltigere Lösung".

Bis zum Baustart - die neue Schule soll 2017 ihre Türen öffnen - bedarf es weiterer Ratsbeschlüsse über Kosten- und Baupläne. Gut möglich, dass - zumal in Wahlkampfzeiten - der Standortstreit neu entflammt. SPD-Stadtvorsitzender Falko Grube bekannte am Rande des Parteitages am Wochenende (S. 11), dass sich die SPD nicht von der Idee eines Gymnasiums neben dem Rathaus verabschiedet hätte. "Wir werden in den nächsten Jahren noch eine weitere Schule brauchen", so Grube und weiter: "Das ist und bleibt ein guter Standort. Ich gehe davon aus, dass man jenseits des Wahlkampfgetöses mit den anderen Fraktionen vernünftig darüber reden kann."