Der Sonderzug nach Pankow

Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Pankow? Ich muss mal eben dahin, mal eben nach Ost-Berlin. Ich muss da was klären, mit eurem Oberindianer: Ich bin ein Jodeltalent, und will da spielen mit \'ner Band.

Ich hab \'n Fläschchen Cognac mit und das schmeckt sehr lecker. Das schlürf\' ich dann ganz locker mit dem Erich Honecker und ich sag: Ey, Honey, ich sing für wenig Money im Republik-Palast, wenn ihr mich lasst.

All die ganzen Schlageraffen dürfen da singen,
dürfen ihren ganzen Schrott zum Vortragen bringen.
Nur der kleine Udo, nur der kleine Udo, der darf das nicht - und das verstehen wir nicht

Ich weiß genau, ich habe furchtbar viele Freunde
in der DDR und stündlich werden es mehr.
Och, Erich ey, bist du denn wirklich so ein sturer Schrat? Warum läßt du mich nicht singen, im Arbeiter- und Bauernstaat?

Honey, ich glaub, du bist doch eigentlich auch ganz locker. Ich weiß, tief in dir drin, bist du doch eigentlich auch \'n Rocker. Du ziehst dir doch heimlich auch gerne mal die Lederjacke an und schließt dich ein auf\'m Klo und hörst West-Radio.

Tоварищ зрих, между прочим верховный Совет ничего не имеет против гастолей господина линденберга вгдР - Genosse Erich, im Übrigen hat der Oberste Sowjet nichts gegen ein Gastspiel von Herrn Lindenberg in der DDR.

Magdeburg | Schon in seinem Lied Rock\'n\' Roll-Arena in Jena (1975) träumte Lindenberg öffentlich von einem Konzert in der DDR. Zu diesem Zeitpunkt führte die Staatssicherheit bereits eine Akte Lindenberg. Seine Ein- und Ausreisen wurden registriert, jede Äußerung - ob in Songtexten oder anderer Form - protokolliert.

Mit dem "Sonderzug" Erich Honecker" verhöhnt

Mit der Veröffentlichung eines seiner berühmtesten Lieder, dem "Sonderzug nach Pankow"(1983), schienen seine Chancen, in der DDR auf Tournee zu gehen, endgültig dahin. Das Lied, das sich direkt an den Generalsekretär Erich Honecker richtete, empfanden viele damalige Genossen als Beleidigung und Verhöhnung des SED-Staates. Doch Lindenberg ließ nicht locker.

1983 kam man nicht mehr umhin, den Sänger auftreten zu lassen. Für das von der SED organisierte Friedensfestival im Palast der Republik sollten internationale Künstler auftreten, die sich in der Friedensbewegung engagierten, darunter auch der US-Sänger Harry Belafonte. Dessen deutscher Konzertmanager, Fritz Rau, stellte den Funktionären die Bedingung: Belafonte tritt nur auf, wenn Udo Lindenberg singen darf! Die ostdeutsche Seite stimmte zu, allerdings unter der Bedingung, dass Lindenberg seinen "Sonderzug" nicht singe.

Udo Lindenbergs Konzert endet tragisch

Am 25. Oktober 1983 kam es zu jenem denkwürdigen Auftritt Lindenbergs, allerdings vor einem von der Partei ausgesuchtem FDJ-Publikum, das Lindenberg zwar höflich applaudierte, aber sonst jeglicher Emotionen enthielt. Und während Udo Lindenberg vor "FDJ-Mumien", wie er sie später nannte, vier Lieder spielen durfte, harrten die wahren Fans zu Hunderten vor dem Palast der Republik aus. Die Staatssicherheit war mit einem Großaufgebot vor Ort. Später kam es zu Ausschreitungen: die Fans wurden zurückgedrängt, teilweise verhaftet und zusammengeschlagen.

Udo Lindenberg erfuhr erst nach dem Fall der Mauer davon. Es blieb sein einziger Auftritt in der DDR. Erst Anfang 1990, nachdem Erich Honecker gestürzt und die Mauer gefallen war, konnte er seine lang ersehnte Tour durch die DDR beginnen. In Suhl, Erfurt, Leipzig, Magdeburg, Schwerin und Rostock jubelten ihm tausende Fans zu.


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Der rebellische Rocker

Berlin (ta) | Am 25. Oktober 1983 hatte der Panik-Rocker Udo Lindenberg seinen ersten und einzigen Auftritt in der DDR.

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    Quelle: Archivfoto: dpa