Gefährliche Droge
Crystal Meth ist eine der aggressivsten Drogen auf dem Markt. Der Konsum kann schnell zu physischer Abhängigkeit führen. Hergestellt wird Crystal in Tschechien. Der Konsum verursacht starke Euphorie. Nebenwirkungen sind u.a. Schlafstörungen und Nierenschäden. In Sachsen-Anhalt ist Crystal auf dem Vormarsch: 2011 zählte die Polizei noch 370 Fälle, ein Jahr später waren es 919. Crystal hat harte Drogen wie Heroin teilweise verdrängt.

Magdeburg l Das Landgericht verhandelt seit Montag über den bisher größten Crystal-Fund in Sachsen-Anhalt. Der Angeklagte wurde geschnappt, als er zwei Kilogramm der Droge aus Tschechien einschmuggeln wollte. Danach fand die Polizei in einer Garage noch Marihuana und kiloweise Amphetamine.

Scheuer Blick, die Hände ineinandergelegt - der 38-jährige Michael B. wirkt wie ein beschämter Junge, der etwas ausgefressen hat. Nur geht es hier bei weitem nicht nur um einen kleinen Streich. Eine halbe Million Euro Marktwert haben die Drogen, die das Landeskriminalamt im September 2013 im Auto des Angeklagten und in einer von ihm angemieteten Garage gefunden hat.

Die Geschichte dazu, die er von seinem Anwalt verlesen lässt, wäre filmreif - würde sie nicht so viele Fragen aufwerfen. Spannendster Nebendarsteller ist ein mysteriöser Vietnamese namens "Fuhn". Den kenne er, weil Michael B. ihm mal in Tschechien das Auto seiner Verlobten verkauft habe.

Fuhn habe den Arbeitslosen als Kurier angeheuert. Für 5000 Euro sollte er zwei Kilo Crystal von Hrensko nach Magdeburg bringen. Der Familienvater willigte ein, weil er das Geld für seine Drogensucht habe gebrauchen können. Doch Michael B. fuhr nicht etwa allein, sondern nahm seine Verlobte, einen Kumpel und eine Bekannte mit. Aus Angst, sagt er. Von den Drogen hätten die drei nichts gewusst, beteuert der 38-Jährige. Sie dachten, er würde in Tschechien einen alten VW Passat verkaufen, und sie könnten solange shoppen - so seine Version.

Auf den Weg machten sich die vier mit gleich drei Autos, darunter ein Mietwagen. Wieso, erklärt der Angeklagte nicht. Möglich wäre, dass seine Begleiter doch von den Drogen wussten und die zwei anderen Autos Michael B. als Unterstützung dienten - zum Beispiel, um Ermittler abzulenken.

Vor Ort habe sich der Angeklagte von den anderen abgesetzt, verliest sein Anwalt. Die Drogen habe Fuhn ihm auf einem Asiamarkt übergeben.

Dass die Polizei ihn auf dem Rückweg aus dem Verkehr fischte, war kein Zufall. Michael B. wurde seit Tagen observiert. Denn tschechische Ermittler hatten ihn beobachtet, als er schon einmal in Hrenska war - im Viertel von Vietnamesen, die im Verdacht stehen, mit Drogen zu handeln. Sie gaben ihren deutschen Kollegen einen Hinweis, die legten sich daraufhin auf die Lauer.

Nach dem Crystal-Fund im Auto - die Drogen lagen offen hinter dem Fahrersitz - durchsuchte die Polizei eine Magdeburger Garage, vor der die Beamten Michael B. bei der Observation gesehen hatten. In einem Pappkarton fanden sie 24 Kilo Amphetamine und ein halbes Kilo Marihuana. Mit diesen Drogen habe er nichts zu tun, versichert der Angeklagte. Er habe die Garage nur über einen Strohmann für jemanden angemietet. Dieser jemand ist - man ahnt es bereits - Fuhn. Doch was dort gelagert wurde, davon habe der 38-Jährige keine Ahnung gehabt.

Am Mittwoch soll das Urteil fallen. Michael B. drohen wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln und illegalen Handels damit zwischen zwei und 15 Jahre Haft.