Magdeburg l Nur die Wachsamkeit der beiden Magdeburger verhinderte, dass sie um eine höhere fünfstellige Summe geprellt wurden. Die Vorgehensweise der Betrüger, die sich als Verwandte ausgaben ("Enkeltrick") und so Geld erpressen wollten, war ungewöhnlich. "Es könnte sein, dass hier neue Methoden getestet wurden und beide Fälle zusammenhängen", sagt Polizeisprecher Frank Küssner.

90-Jähriger erkennt die doppelte Falle der Betrüger


Beim ersten Fall Ende vergangener Woche sollte ein 90-jähriger Magdeburger um mehrere Zehntausend Euro betrogen werden. Laut Polizei meldeten sich vermeintliche Verwandte, die vorgaben, gerade beim Notar zu sitzen. Der Rentner hatte zuvor schon von der Enkeltrick-Methode gehört, fiel darauf nicht rein und informierte die Polizei. Wenig später meldeten sich die Betrüger aber noch mal und gaben sich selbst als Polizei aus, versuchten den Rentner erneut zu überreden, das Geld zu übergeben, um so die Betrüger zu schnappen, wie sie dem Rentner erläuterten. Auch darauf fiel der 90-Jährige nicht herein.

Im zweiten Fall sollte eine 58-jährige Magdeburgerin um ihre Ersparnisse gebracht werden. Eine Frau meldete sich, gab sich als ihre Cousine aus, die dringend Geld benötige. Die Betrüger wussten allerdings nicht, dass die Cousine der Frau derzeit nicht im Land ist. Die Magdeburgerin spielte das Spiel mit, informierte die Polizei. Diesmal versuchten die Betrüger, die Geldübergabe über einen Kurierdienst abzuwickeln. Dieser sollte das Geld in ein Hotel in der Innenstadt bringen. Die Frau übergab das Geld nicht. "Leider wissen wir nicht, wer den Kurierdienst beauftragt hat", sagt Küssner. Im Hotel konnte kein Mittelsmann dingfest gemacht werden. Beide Maschen sind in ihrer Ausführung für die Polizei neu. "Wir können nur an die Bürger appellieren, solche Geschäfte nicht am Telefon abzuwickeln", sagt Küssner.

Banken raten, im Zweifelsfall die Polizei einzuschalten


Erhöhte Vorsicht gibt es auch bei Banken. Zwar kann jeder voll geschäftsfähige Kunde mit seinem Geld machen, was er will. "Handelt es sich um ungewöhnlich hohe Beträge, versuchen wir im Gespräch herauszufinden, wofür das Geld gebraucht wird", sagt Elke Rienau von der Volksbank Magdeburg. Ein ähnliches Vorgehen bestätigt auch Mathias Geraldy von der Stadtsparkasse Magdeburg: "Wir führen intensive Gespräche mit unseren Kunden." Viel Geld, das in kurzer Zeit aus hanebüchenen Gründen beschafft werden muss, lässt auch bei der Sparkasse das Misstrauen wachsen. "Sollte sich bei einem unserer Kunden herausstellen, dass es sich möglicherweise um einen Enkeltrick handelt, würden wir auch raten, die Polizei einzuschalten", sagt Geraldy.