Magdeburg l Gleich zwei Frauen führen die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) - blickt man jedoch auf ihre offiziellen Amtsbezeichnungen, muss man sie für Männer halten. Nach der Kirchenverfassung ist Ilse Junkermann "der Landesbischof", ihre Verwaltungschefin Brigitte Andrae fungiert als "der Präsident" des Landeskirchenamts. Das soll nun ein Ende finden.

Jahrhunderte hat es gedauert, bis Frauen überhaupt auf die Kanzel evangelischer Kirchen steigen durften. Erst nach dem Krieg wurden Pastorinnen ordiniert, und auch nur dann, wenn sie unverheiratet waren. Mittlerweile, seit 2009, sitzt sogar an der Spitze der EKM eine Frau. An der traditionellen Amtsbezeichnung hat das jedoch nichts geändert. Eine Arbeitsgruppe sucht nun nach Wegen, wie Frauen in kirchlichen Gesetzestexten "sichtbar" gemacht werden können.

Zu den Befürwortern einer Umformulierung gehört EKM-Gleichstellungsbeauftragte Christa-Maria Schaller. Ihre These: Ändert man Bezeichnungen, ändert sich auch etwas in den Köpfen. "Wir wollen noch stärker ins Bewusstsein rufen, dass Frauen auch Leitungsfunktionen haben", sagt Schaller. Sie setzt auf die sogenannte "geschlechtergerechte Sprache". Davon fühlten sich Frauen eher angesprochen, und selbst Männer nähmen Frauen dann stärker wahr.

Verbannt werden soll das sogenannte generische Maskulinum, also die Praxis, Menschen verschiedenen Geschlechts unter der männlichen Bezeichnung zusammenzufassen. In der Formulierung "die Pfarrer" sind Frauen "mitgemeint" - doch genau das reicht Feministinnen nicht, die das seit den 1960er Jahren kritisieren.

Die Frauenbewegung bietet auch Auswege an. Einfacher wird die Sprache dadurch indes nicht. Viele Pfarrer - und Pfarrerinnen - sprechen ausdrücklich von Christinnen und Christen, "auch wenn man sich dabei ein bisschen die Zunge bricht", wie die Gleichstellungsbeauftragte einräumt. "Gendern" lautet der Fachbegriff für das Verfahren, männliche durch männliche und weibliche Bezeichnungen zu ersetzen.

Vor allem in linken Kreisen sind noch andere Varianten im Schwange: Da ist die Rede von HausbesetzerInnen (mit großem I, der sogenannten Binnenmajuskel) oder von Migrant_Innen (die Leerstelle wird als Gender-Gap bezeichnet). Für Kirchenjuristen wäre damit jedoch eine rote Linie überschritten. Ein Rechtstext, sagen die Experten, muss nämlich auch beim Vorlesen eindeutig und präzise sein.

Sollten die evangelischen Sprachreformer ihr Vorhaben ernst nehmen, müsste die Kirche von liebgewonnenen Formulierungen Abschied nehmen. "Die Pfarrer" könne man durch "die Pfarrschaft" ersetzen, schlägt Schaller vor. Doch was wird aus dem "Dienst am Nächsten", den die Diakonie leistet? "Wenn man so einen Begriff ändert, könnte das an theologischer Schärfe verlieren", fürchtet auch die Gleichstellungsbeauftragte.

Heute will die fünfköpfige Arbeitsgruppe einen Vorschlag erarbeiten. Entscheiden muss am Ende die Landessynode.

Vor allem ältere Theologen und Gläubige sehen das Vorhaben skeptisch. Die Formulierungsversuche seien "leider wenig einleuchtend und wenig leserfreundlich", bedauert etwa Altbischof Axel Noack - am Ende werde man mit einem Kompromiss leben müssen.

Keinesfalls geändert werden soll ein Wort, das schon in der Präambel der Verfassung erscheint: Gott. Man könne niemandem verbieten, sich darunter einen Mann vorzustellen, sagt Schaller. Doch Gott sei mit menschlichen Begriffen nicht zu fassen. "Es wird jedenfalls keinen Begriff `der/die Gott` geben", verspricht sie.

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