Magdeburg l An einer Magdeburger Förderschule für Körperbehinderte ist ein Streit darüber entbrannt, wer für die Pflege der Kinder zuständig ist. Die Schule am Fermersleber Weg hat dafür eine Krankenschwester. Eine weitere war in die Außenstelle Kritzmannstraße abgeordnet - doch diese Stelle ist ausgelaufen. Seit Beginn des zweiten Schulhalbjahres gibt es dort keine Krankenschwester mehr.

Die Eltern der rund 30 betroffenen Kinder wollen das nicht hinnehmen. Auch der Stadtelternrat fordert eine Lösung. "Das sind Kinder, die lernen wollen, und denen legt man Steine in den Weg", sagt Detlef Hubold, Vorsitzender des Stadtelternrates. Es geht um Hilfeleistungen wie den Wechsel von Kathetern, das Setzen von Spritzen oder die Begleitung zur Toilette.

Zugespitzt ist der Streit dadurch, dass eine Mutter ihr zuckerkrankes Kind seit der vergangenen Woche nicht mehr zur Schule bringt. Die Frau wolle zunächst eine Klärung, wer in der Lage sei, die regelmäßig nötigen Spritzen zu verabreichen, sagt Hubold.

Der demonstrative Verstoß gegen die Schulpflicht bringt die Behörden in Zugzwang. "Es gibt überhaupt keinen sachlichen Grund, sein Kind nicht zur Schule zu bringen", sagt Achim Scholler vom Landesschulamt. Denn auf eine eigene Krankenschwester, wie sie der Haupt-Standort der Schule habe, gebe es keinen Anspruch. "Wir haben an einigen Schulen noch aus DDR-Zeiten Krankenschwestern. Aber auch dort, wo es die nicht gibt, ist die Versorgung gesichert", betont Scholler. Für Behandlungspflege, etwa das Setzen von Spritzen, sei dann der Pflegedienst zuständig, der das Kind auch zu Hause betreue.

Geht es hingegen lediglich um Betreuungspflege - Windeln wechseln, zur Toilette begleiten, beim Essen helfen - sei das Schulpersonal im Einsatz. "Das macht jeder, der gerade in der Nähe ist, auch die Schulleiterin", sagt Scholler.

Die Eltern hingegen wollen zurück zu der Situation, die vor den Ferien bestand. "Das Land steckt Millionen in Projekte gegen Schulabbruch, da kann es auch 50.000 Euro für eine Krankenschwester zahlen", fordert Tim Liebe vom Stadtelternrat.