Weferlingen l Die Eltern erhielten knappe Schreiben, in denen die Schule den ganztägigen Unterrichtsausfall ankündigte. Eine Vertretung sei nicht möglich, hieß es, nicht einmal die bloße Beaufsichtigung in der Schule. Betroffen sind sämtliche Jahrgänge ab Klasse 7. Die Elftklässler mussten innerhalb von zwei Wochen sogar an zwei Tagen zu Hause bleiben. "Wie sollen sich die Kinder denn da vernünftig aufs Abitur vorbereiten?", fragt ein empörter Vater.

Die Schule selbst bedauert die Situation. "In so einer Lage waren wir noch nie. Wir haben alle Kollegen mobilisiert, aber wir können es einfach nicht leisten", sagt Direktorin Kornelie Wahner-Willems. Die Entscheidung zum Schulausfall sei auch ein Hilferuf. Die Versorgung mit Lehrern sei knapp, vier der 34 Kollegen seien zudem dauerhaft krank. Das Land stelle grundsätzlich zu wenig Lehrer ein, kritisiert die Schulleiterin und warnt: "Im nächsten Jahr wird es noch dramatischer."

Unterrichtsausfall sei in Sachsen-Anhalt verbreitet, klagt der Philologenverband, die Vertretung der Gymnasiallehrer. In Mangelfächern würden oft die Stunden der unteren Klassen gekürzt, um Lücken bei den angehenden Abiturienten zu stopfen, sagt Landesvorsitzender Jürgen Mannke. Das Land fahre die Lehrer auf Verschleiß, kritisiert er. Das Durchschnittsalter der Gymnasiallehrer liege bei 52 Jahren, der Krankenstand sei hoch.

Das Kultusministerium nennt die Lage in Weferlingen einen Sonderfall. "Ausfälle in dieser Größenordnung sind von anderen Gymnasien nicht bekannt", sagt Ministeriumssprecher Martin Hanusch. Ursache seien nicht planbare Ausfälle. "In solchen Ausnahmefällen können Oberstufenschüler durchaus auch mal Selbststudienaufträge erhalten, wenn eine Lehrerversorgung gar nicht gelingt."