Magdeburg l 16 bis 18 Grad Raumtemperatur, 50 Prozent Luftfeuchtigkeit, Sicherheitstüren - das Landeshauptarchiv ist gut gesichert. Auch von außen sieht der Bau im Normannen- und Burgenstil an der Brückstraße wie eine Trutzburg aus. 20 000 laufende Meter Akten werden hier gelagert. Für mehr als 24 000 ist Platz. Ist das Archiv voll, wird erweitert.

Die wichtigsten Daten werden auf Filmen gespeichert. "Die lagern in einem bayerischen Stollen", sagt Archivarin Katrin Krause. Dieser soll sich in der Nähe von München befinden. In dem Bau an der Brückstraße liegen Ottonen-Urkunden, mittelalterliche Akten, Bestände der Neuzeit. Archivarin Krause und ihre Kollegen zeigten am vergangenen Sonnabend Besuchern am Tag der Archive die Schatzkammern des Hauses. Angesprochen auf die Lagerung im Stollen und warum man das tue, sagt Krause nur: "Denken Sie beispielsweise an das Kölner Stadtarchiv". Anfang 2009 stürzte das Kölner Haus samt zwei benachbarten Wohngebäuden ein. Dabei wurden zwei Personen getötet und rund 90 Prozent des Archivguts verschüttet. Mit der Speicherung auf Filmen kann zumindest der Inhalt technisch wiederhergestellt werden. Andere denkbare Unglücke wären Naturkatastrophen oder Kriege.

Die älteste Urkunde im Landeshauptarchiv ist mittlerweile 1111 Jahre alt. Karolingerkönig Ludwig IV., bekannt unter dem Beinamen "das Kind", stellte das 47 mal 52 Zentimeter große Pergament am 7. August 902 für Bischof Sigismund von Halberstadt aus. Ihm werden damit von früheren Königen verliehene Privilegien und Besitz bestätigt. Weil das Bistum Halberstadt von der Oker bis zur Elbe und von Werben bis zur Unstrut reichte, waren die Bestimmungen für weite Teile des heutigen Sachsen-Anhalts von Bedeutung. Das Landeshauptarchiv ist mit rund 54 000 Urkunden eines der größten Urkundenarchive Mitteleuropas.

Geschützte Atmosphäre, Mikrofilme und Stollen sind aber nicht die einzige Vorsichtsmaßnahme der Landesbehörde. Gemeinsam mit sechs anderen Magdeburger Archiven bildet das Landeshauptarchiv auch einen Notfallverbund (siehe Infokasten). Dass das Gedächtnis des Landes rege genutzt wird, bestätigt Archivarin Krause. "Wir bekommen viele unterschiedliche Anfragen", sagt sie. So werden etwa Separationskarten, die Vorläufer heutiger Katasterkarten (siehe Foto), zur Klärung von Gebietsstreitigkeiten vor Gericht herangezogen. Immer wieder kommen auch Anfragen von Wissenschaftlern, die für Arbeiten recherchieren. Häufig kommen auch Heimatkundler und sichten beispielsweise Luftbildaufnahmen.

Manchmal wandern aber auch echte Schmuckstücke ins Archiv. So tauchte kürzlich ein seit 1947 in Sachsen-Anhalt als verschollen geglaubtes Kopialbuch (Abschriftenbuch) aus der Reformationsepoche wieder auf. Eine Familie hatte das Buch ersteigert und wieder an seinen Herkunftsort nach Magdeburg zurückgebracht.

Bilder