Cannabis-Plantagen und wie sie auffallen

Was ist Cannabis?
Sie gilt als eine der ältesten Nutz- und Heilpflanzen und wächst staudenartig, kann eine Höhe von zwei bis sechs Metern erreichen. Insbesondere die weibliche Pflanze speziell entwickelt den Wirkstoff Tetrahydrocannabicol, kurz THC, das eigentliche Rauschmittel.

Wie kann man die Plantagen erkennen? Ungewöhnlich hohe Strom- und Wasserkosten, die nicht zur Relation des Objektes oder der Wohnung stehen, geringe Betriebsamkeit in den Räumen, Abschottung vor "ungebetenen Gästen" (Folien, Kameras), starke Kondenswasserbildung an den Fenstern, ungewöhnlich laute Geräusche von Generatoren oder Ventilatoren, Nutzung einer Immobilie trotz angeblichen Leerstandes.

Wo gibt es die Plantagen?
Die bisher größte wurde 2009 in Atzendorf (Salzlandkreis) mit 5400 Pflanzen entdeckt. Die Plantagen wurden bereits in größeren Gewerbehallen, Scheunen, Gewächshäusern, aber auch in Einfamilienhäusern, Wohnungen und Kellerräumen entdeckt.

Magdeburg l Das Jahr 2014 war erst acht Tage alt, als ein Großaufgebot der Polizei in einem ehemaligen Möbellager in Haldensleben 1.800 Cannabispflanzen und zeitgleich 800 Pflanzen in einem leeren Haus in Tangermünde aushob. Es ist einer der größten Funde in einer Indoor-Plantage. "Damit ist schon fast die Hälfte der sichergestellten Pflanzen des gesamten Jahres 2013 erreicht worden", erklärt der Sprecher des Landeskriminalamtes, Andreas von Koß.

Immer häufiger stoßen Beamte auf In- und Outdoor-Plantagen. 24 waren es im vergangen Jahr, im Vorjahr 22. Dabei nahm die Zahl der sichergestellten Pflanzen von 3.529 auf 4.626 zu. Der geschätzte Straßenverkaufswert dürfte sich auf fast eine Million Euro belaufen. Und das sei nur die Spitze des Eisberges, so die Ermittler. Denn Drogendelikte gehören zur sogenannten Kontroll-Kriminalität. Das heißt: Nur wenn die Polizei einen Hinweis erhält oder anders auf solch einen Fall stößt, wird dieser erfasst. Meist gibt es ähnlich wie beim Ladendiebstahl auch gleich einen Tatverdächtigen. Die Aufklärungsquote liegt deshalb auch bei 95 Prozent.

Die meisten der entdeckten Plantagen sind Zufallsfunde. "Und das, obwohl wir immer seltener Hinweise aus der Bevölkerung erhalten", beklagt von Koß. Ohnehin spreche alles für ein großes Dunkelfeld. Die Ermittler wissen zum Beispiel von der Lieferung einer Ausstattung aus den Niederlanden im Wert von rund 1,5 Millionen Euro im Jahr 2011. Doch unklar ist bis heute, wo die Gerätschaften abgeblieben sind. Sie stehen möglicherweise noch in bislang unentdeckten leeren Hallen. Ein weiterer Indikator für eine hohe Dunkelziffer: Trotz einzelner großer Sicherstellungen (aus 1.000 Pflanzen können immerhin 80.000 Joints gedreht werden) blieben die Preise unverändert. Das spricht für einen gesättigten Markt.

Der Anbau von Cannabis ist ein lukratives Geschäft. Allein eine Ernte von rund 1.000 Pflanzen kann eine Ausbeute von bis zu 40 Kilogramm Marihuana ergeben. Sein Straßenverkaufswert beläuft sich auf rund 200.000 Euro. Die Gewinnspanne erhöht sich bei den folgenden Ernten auf rund 95 Prozent, wenn sich die Geräte und der Kauf der Liegenschaft amortisiert haben. "Da hat man schnell seine Million zusammen", so die Drogenermittler. Meist kaufen Einheimische die leeren Immobilien. Die Hege und Pflege der Pflanzen übernehmen andere.

Inzwischen zählt für die Cannabis-Bauern aber nicht mehr nur die Stückzahl, sondern die Potenz der Pflanzen. Gemeint ist ihr THC-Gehalt, der eigentliche Wirkstoff. Er hat sich seit den 1970er Jahren von etwa 1,5 bis 5 Prozent auf inzwischen vereinzelt mehr als 20 Prozent erhöht. "Von weichen Drogen kann man da nicht mehr reden", erklärt Andreas von Koß. Zudem drohen hohe Haftstrafen für den Drogenanbau. Schon ab zwei Pflanzen kann eine nicht geringe Menge erreicht werden. In diesem Fall drohen mindestens ein Jahr Haft. Bei bandenmäßigem Plantagenanbau drohen sogar fünf Jahre Haft.

Insgesamt stieg die Zahl der Drogendelikte in Sachsen-Anhalt von 5.893 auf 6.060 Fälle im vergangenen Jahr. Es wurde Rauschgift in Höhe von rund drei Millionen Euro sichergestellt.