Wer Deutschland in diesem Jahr beim Eurovision Song Contest (ESC) vertreten wird, soll beim Vorentscheid "Unser Song für Dänemark" am Donnerstag entschieden werden. Mit Baseballs-Sänger Sebastian Rätzel steht auch ein Magdeburger auf der Bühne. Karolin Aertel sprach bei Radio SAW mit ihm und seinen Bandkollegen Rüdiger "Digger" Brans und Sven "Sam" Budja über den Contest.

Volksstimme: Hand aufs Herz! Seid Ihr aufgeregt?
Sebastian Rätzel:
Natürlich ist man ein Stück weit aufgeregt. Wir versuchen sie aber nicht zu sehr an uns rankommen zu lassen. Wir gehen an den Auftritt ran, als wäre es ein ganz normaler Gig. Am Ende ist es ja auch kein Unterschied, ob es ein Konzert mit 500 Leuten ist, die man versucht zu überzeugen, oder ob man vor mehreren Millionen im Fernsehen auftritt. Man muss versuchen nicht über die Zahl des Publikums nachzudenken, sondern so oder so das Bestmögliche zu geben.

Volksstimme: Was unterscheidet diesen Auftritt - abgesehen von den Zuschauerzahlen - trotzdem von einem "gewöhnlichen Gig".
Rätzel: Das Einzige, was schwieriger ist: Wir haben nur drei Minuten Zeit die Leute zu überzeugen und nicht zwei Stunden wie bei einem Konzert. Insofern gilt es, alles in diese drei Minuten reinzulegen, um die Leute mitzunehmen und zu zeigen, dass wir Spaß haben.

Volksstimme: Wisst Ihr schon, wie der morgige Vorentscheid ablaufen soll?
Rätzel: Soweit wir wissen, werden alle acht Teilnehmer einen Song präsentieren. Von diesen werden die besten vier vom Publikum in die nächste Runde gevotet. Die treten noch einmal gegeneinander an, um die besten Zwei und dann den Gewinner zu ermitteln. Es wird also ein langer Abend?

Volksstimme: Mit welchem Song tretet ihr an?
Rätzel: Mit unserem neuen Song "Mo Hotta, Mo betta". Ein selbstgeschriebener Titel unseres neuen Albums "Game Day". Und sollten wir tatsächlich weiter kommen, werden wir in der zweiten Runde unseren Titel "Peggy Sue" spielen.



Volksstimme: Das Publikum darf entscheiden, mit welchem Song ihr weiterkommt. Welcher wäre Euch denn lieber?
Rätzel: Das kann man gar nicht so sagen. Wir rechnen nicht damit weiterzukommen und machen uns deswegen auch keine Gedanken darüber. Wenn wir gewinnen sollten, ist es fast egal, mit welchem Song, da wir hinter beiden stehen und beide mögen. Wir haben sie schließlich geschrieben.

Volksstimme: Wer ist Eurer Meinung nach Favorit?
Sven Budja: Unheilig, das allein schon, weil der Graf eine riesige Fanbase in Deutschland hat.
Rüdiger Brans: Es gibt mehrere. Die Genres sind dieses Mal sehr weit gestreut, darunter auch viele Hochkaräter. Ich glaube, vor zehn Jahren wäre so ein Starterfeld undenkbar gewesen. Das ist vielleicht auch ein Ausdruck davon, dass der Wettbeweb in Deutschland wieder an Ansehen gewinnt.

Volksstimme: Wie hoch rechnet ihr Euch Eure Chancen aus?
Rätzel: Wir denken nicht ans Gewinnen, wir wollen in den drei Minuten zeigen, was wir bei einem Konzert normalerweise in zwei Stunden machen.
Sven Budja: Da hätten wir wohl eher beim eigentlichen ESC Chancen. Wir haben sehr viele Fans im Ausland, die dann vielleicht für uns stimmen würden.
Brans: Wir haben es ja nicht in der Hand. Es ist nicht wie bei einer Sportveranstaltung, wo der gewählt wird, der am besten in seiner Disziplin ist. Es geht darum, worauf haben die Leute Bock. Wir hoffen, dass sie sagen, wir wollen in Kopenhagen Rock\'n\'Roll haben.

Volksstimme: Wie kam es eigentlich, dass Ihr Euch für den ESC beworben habt?
Rätzel: Die Idee ist uns gewissermaßen durch die ausländischen Medien zugetragen worden. Da ist der ESC ein großes Ding - mehr als hier in Deutschland. Die meinten, wir sollten uns bewerben, schließlich machen wir Musik, die jeder kennt und irgendwie auch jeder mag. Und jetzt, da wir tatsächlich ein Album mit selbstgeschrieben Songs haben, dachten wir, wir probieren`s mal.

Volksstimme: Funktioniert denn Rock`n`Roll im Ausland besser als in Deutschland?
Baseballs: Kann man so nicht sagen. Wir haben in Deutschland für unser Strike-Album Gold bekommen und viele Erfolge gefeiert. Man könnte höchstens sagen, dass im Ausland der Bekanntheitsgrad größer ist. Was vielleicht daran liegt, dass wir dort häufiger im Radio gespielt werden.



Volksstimme: Warum geht Ihr mit eigenen Songs jetzt neue Wege?
Brans: Sich weiterzuentwickeln war der nächste logische Schritt. Wenn man sich immer am selben Konzept bedient, wird es irgendwann langweilig. Ein Fan hat mal ausgerechnet, dass wir bisher 90 Songs gecovert haben. Da legt man seinen kreativen Input gern mal in neue Bereiche und schaut, ob das funktioniert. Unser Augenmerk liegt nicht mehr darauf alt und modern zu verbinden, sondern das moderne neu im Rock`n`Roll zu erfinden.

Volksstimme: Ihr seid eigentlich nicht nur zu dritt, sondern mit euren Musikern sieben Leute. Wer wird morgen alles auf der Bühne stehen?
Rätzel: Leider dürfen wir nur zu sechst auftreten. Somit haben wir Streichhölzer gezogen. Es hat unseren Drummer Thomas getroffen. Aber da die Musik eh vom Band kommt, wird sich unser Pianist ans Schlagzeug setzen.

Volksstimme: Ihr spielt also nicht live?
Rätzel: Die Musik muss vom Band kommen. Singen werden wir natürlich live - und zwar alle sechs.

Volksstimme: Wird es denn Voting-Partys geben?
Budja: Ich weiß, dass Bastis Mutti ihre Nachbarn und Freunde in Magdeburg mit den Worten "zu trinken gibts erst ab zehn Anrufen" eingeladen hat. Auch meine Familie und Diggers sicher auch werden im kleinen Rahmen eine Voting-Party feiern. Von größeren wissen wir nichts.

Übrigens: Am 17. Mai werden "The Baseballs" im Rahmen ihrer Game-Day-Tour in Magdeburg Station machen. Karten für das Konzert ab 20 Uhr in der Factory, Karl-Schmidt-Straße 42, gibt es ab 31,85 Euro in allen Volksstimme-Service-Punkten und unter der biber-Ticket-Hotline, Tel. 0391/599 97 00.