Magdeburg l Wird das Thema "Ulrichskirche" am kommenden Donnerstag vom Magdeburger Stadtrat erst einmal politisch "verabschiedet" oder nicht, das ist, rund eine Woche vorher, noch offen. "Die Abstimmung könnte knapp ausfallen", schätzt Linke-Fraktionsgeschäftsführer Oliver Müller die Lage ein. Und liegt damit ziemlich richtig.

Worum es geht: Das Kuratorium Ulrichskirche e.V. möchte, dass mit Hilfe von Suchschachtungen auf dem Ulrichplatz erkundet wird, was vom Fundament des einstigen Gotteshauses noch vorhanden ist und ob man das, was dann vielleicht gefunden wird, sichern und dauerhaft sichtbar machen kann. So könne man ein "Fenster in die Vergangenheit Magdeburgs schaffen", sagt Kuratoriumsvorsitzender Tobias Köppe. Magdeburg sei für die Reformation ein wichtiger geschichtlicher Standort, die Ulrichskirche, die 1956 gesprengt wurde, ein einmaliges Zeugnis dafür. Im vergangenen November haben die Stadtratsfraktionen von CDU/BfM, Bündnis 90/Die Grünen und der FDP einen gemeinsamen Antrag in den Stadtrat eingebracht, mit dem beschlossen werden sollte, dass die Stadt Magdeburg das Ansinnen des Ulrichskirchen-Kuratoriums unterstützt. Das sei wichtig, damit für die Suchschachtungen Fördergelder aus dem Denkmalschutz-Topf beantragt werden könnten.

OB sagt Nein

Der Antrag wurde zur Beratung in die Fachausschüsse überwiesen, gleichzeitig entspann sich daran eine erneute öffentliche Diskussion über das Für und Wider der Ulrichskirche. Sogar eine Mahnwache gegen die Grabungen wurde vor dem Alten Rathaus veranstaltet. Zur Erinnerung: 2011 hatten rund 75 Prozent der Teilnehmer an einem Bürgerentscheid gegen den Wiederaufbau der Kirche votiert. In der neuerlichen Diskussion befürchteten viele Magdeburger, dass mit der Freilegung der Fundamente erneut ein erster Schritt in Richtung Wiederaufbau gegangen werden solle.

Zwischenzeitlich bezog OB Lutz Trümper Position gegen den interfraktionellen Antrag. Zum einen könne der Antrag tatsächlich als ein erster Schritt in Richtung Wiederaufbau gewertet werden, zum anderen müsse aber der Bürgerwille von 2011 respektiert werden. Darum: Keine Unterstützung vom OB für das Ansinnen.

Auch eine Stellungnahme der Bauverwaltung der Stadt fiel negativ aus. Es gebe kein übergeordnetes öffentliches Interesse für die Fundamentfreilegung, auch wissenschaftlich sei das Vorhaben nicht von großer Bedeutung, der Platz selbst stehe als Zeugnis früher DDR-Stadtplanung unter Denkmalschutz und, natürlich, das Bürgervotum von 2011 könne nicht ignoriert werden.

In dieser Woche meldete sich das Kuratorium noch einmal zu Wort. Nein, der Bürgerentscheid solle nicht umgangen werden und die Suchschachtungen stünden in keinem Zusammenhang mit einem Wiederaufbau der Kirche.

CDU ja, SPD sowohl als auch

Aber das Votum der Bürger beinhalte nicht das grundsätzliche Verbot von archäologischen Untersuchungen. Das Kuratorium appelliert an die Stadträte, die Chance, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Ulrichskirche und zu wichtigen Teilen der Stadtgeschichte zu erlangen nicht zu vergeuden.

Und wie gehen die Stadträte mit der Chance um? Das bleibt offen. CDU/BfM-Fraktionsvorsitzender Wigbert Schwenke geht davon aus, dass seine Fraktion, die den Antrag mit auf den Weg gebracht hat, ihm auch zustimmen wird. Aber: Die Frage eines Wiederaufbaus der Kirche "stellt sich mit diesem Antrag gegenwärtig nicht", sagt Schwenke. Chance zur Erkundung nutzen ja, aber den Bürgerwillen respektieren. Ähnlich hatte sich auch FDP-Fraktionschef Hans-Jörg Schuster geäußert: "Ausgrabungen ja, Wiederaufbau nein!"

In der SPD-Fraktion ist das Meinungsbild nach Aussage von Dieter Bromberg nicht "so eindeutig". Der Fraktionschef selbst ist für die Ausgrabungen. "Da spreche ich aber für mich allein", sagte er gestern. Und auch, dass ein Wiederaufbau der Kirche nicht damit verbunden sein könne. "Die Meinung in der Fraktion dazu ist aber durchwachsen."

Linke lehnen ab

Klares Nein zum Antrag von der Linken. "Ich gehe davon aus, dass die Fraktion dagegen stimmen wird", sagte Fraktionsgeschäftsführer Oliver Müller. Schließlich habe seine Fraktion einen Änderungsantrag zum Antrag gestellt, der fordert, dass keinerlei Grabungen im Bereich der ehemaligen Ulrichskirche vorgenommen werden. "Davon werden wir natürlich nicht abweichen."

Die Diskussion am 20. März im Stadtrat wird sicherlich erneut leidenschaftlich werden. Und wer als Zuschauer dabei sein will, sollte sich frühzeitig einen Platz auf der Besuchertribüne sichern.