Magdeburg l Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi haben am Freitag bundesweite Warnstreiks für die kommende Woche angekündigt. In Sachsen-Anhalt wollen sie öffentliche Kitas und Kommunalverwaltungen lahmlegen. Auslöser sind die stockenden Tarifverhandlungen für die Beschäftigten des Bundes und der Kommunen. Hierzulande geht es dabei um die Bezahlung von 38000 Beschäftigten.

Die Gewerkschaften fordern eine Anhebung der Entgelte um 100 Euro plus zusätzlich 3,5 Prozent, eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 100 Euro monatlich sowie die unbefristete Übernahme der Auszubildenden. Bei einer Laufzeit von zwölf Monaten würde das zum Beispiel für eine Erzieherin in einer kommunalen Kita eine Erhöhung der Bezahlung zwischen 180 und 210 Euro bedeuten. Derzeit verdienen Erzieher in Sachsen-Anhalt im Schnitt 2700 Euro brutto im Monat, Kita-Leiter um die 3000 Euro.

Für den Nahverkehr fordern die Gewerkschaften eine Zulage von 70 Euro monatlich. Außerdem will die Arbeitnehmerseite mit den Arbeitgebern über einen einheitlichen Urlaubsanspruch von 30 Arbeitstagen für alle Beschäftigten sowie über den Ausschluss von grundlos befristeten Arbeitsverträgen sprechen. Das Ergebnis soll dann zeit- und inhaltsgleich auf die Beamten übertragen werden.

Bei der ersten Verhandlungsrunde mit der Vereinigung Kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) in Potsdam stießen die Gewerkschaften mit ihren Forderungen jedoch auf Ablehnung. Zwar sagte die Arbeitgebervereinigung eine angemessene Gehaltssteigerung für alle Beschäftigten zu, legte aber kein Angebot vor und kritisierte die Forderungen der Gewerkschaften als unrealistisch hoch.

"Deshalb wird es Tarifkämpfe geben müssen", sagte GEW-Landeschef Thomas Lippmann am Freitag. "Die Beschäftigten in allen Bereichen des öffentlichen Dienstes leisten gute Arbeit, sie haben sich eine kräftige Lohnerhöhung verdient." Nach Informationen der Volksstimme soll es bereits ab Montag in Sachsen-Anhalt zu Warnstreiks in öffentlichen Kitas und Verwaltungen kommen. Konkretes hierzu wollen die Gewerkschaften aber erst am Wochenende bekanntgeben. Verdi-Sprecher Jörg Förster betonte aber, dass Eltern von betroffenen Kindertagesstätten vorab schriftlich über Warnstreiks informiert werden, damit sie ihre Kinder rechtzeitig anderweitig unterbringen können.

Die Landeshauptstadt dürfte von den Streiks im Kita-Bereich zunächst verschont bleiben, da sich die meisten Einrichtungen in freier Trägerschaft und nicht in der Hand der Kommune befinden. Ein Warnstreik in der Stadtverwaltung Magdeburgs und in den Verwaltungen anderer Städte in Sachsen-Anhalt ist allerdings wahrscheinlich.

"Die Positionen liegen sehr weit auseinander", sagte Verdi-Verhandlungsführer Frank Bsirske. "Es wird darauf ankommen, jetzt deutlich zu machen, dass die Beschäftigten hohe Erwartungen an diese Verhandlungen haben." Die Tarifparteien wollen ihre Verhandlungen dann in der kommenden Woche am Donnerstag und Freitag fortsetzen, weitere Termine haben sie für den 31. März und 1. April vereinbart.