Magdeburg l Bei der händerringenden Suche nach mehr weiblichem Führungspersonal steht Justizministerin Angela Kolb (SPD) bald vor einem Durchbruch: Dem Vernehmen nach hat Magdeburgs Leitende Oberstaatsanwältin Uta Wilkmann beste Aussichten, ab 1. April zur Abteilungsleiterin in Kolbs Ministerium aufzurücken. Die Abteilung Strafrecht braucht einen neuen Kopf, da der bisherige Chef in den Ruhestand geht.

Das alles wäre eine blanke Erfolgsnachricht, wenn da nicht eine Ehegeschichte die Stimmung unter Justizbediensteten trüben würde: Frau Wilkmann ist verheiratet mit Herrn Wilkmann - seines Zeichens Leitender Oberstaatsanwalt in Halle. Und da die Abteilung Strafrecht auch die Staatsanwaltschaften unter sich hat, würde Frau Wilkmann praktisch die Aufsicht über die Behörde ihres Ehegatten ausüben.

Rechtlich sei das zwar zulässig, und Frau Wilkmanns Expertise würde auch gar nicht angezweifelt - doch bei vielen Bediensteten hinterließe Kolbs Personalpolitik einen Beigeschmack, wie er sonst in "Bananenrepubliken" aufkomme, hieß es hinter vorgehaltener Hand.

Nun: So exotisch, wie das Justizbedienstete finden, sehen das Justizpolitiker nicht. Weder Regierungskoalition noch Opposition haben Probleme mit der Wilkmann-Wilkmann-Konstellation. "Ich kann die Bedenken zwar verstehen", sagt Siegfried Borgwardt (CDU), "doch ich glaube, die beiden können das gut trennen." Es gebe ähnliche Zusammentreffen in anderen Ministerien, nur würden die kaum auffallen, da die Partner unterschiedliche Namen trügen. Beispiele nannte Borgwardt nicht.

Auch Ronald Brachmann (SPD), sonst um Kritik an seiner Genossin Kolb nicht verlegen, blieb gelassen. "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Man sollte keine Probleme sehen, wo noch keine sind." Auch die Opposition ist gnädig. Sören Herbst (Grüne): "Natürlich verlangt das einen bewussten Umgang damit, doch die Staatsanwaltschaften sind so auf Eigenständigkeit bedacht, dass ich keine große Gefahr sehe." Und Eva von Angern (Linke) denkt: "Frau Wilkmann wird professionell damit umgehen."

Kolbs Ministerium wollte wegen des laufenden Auswahlverfahrens die Personalie nicht kommentieren. Frau Wilkmann war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sie sei im Urlaub, teilte eine Mitarbeiterin in ihrem Büro mit. Herrn Wilkmann trafen wir im Dienst an. Er sagte: "Ich sage dazu gar nichts."