Magdeburg l Eine neue Willkommens- und Anerkennungskultur in Deutschland hat steht im Mittelpunkt der heute beginnenden Konferenz der Integrationsminister der Bundesländer in Magdeburg plädiert. "Hier müssen Politik, Verwaltung, aber auch Wirtschaft und alle Beteiligten an einem Strang ziehen", sagte Sachsen-Anhalts Sozial- und Integrationsminister Norbert Bischoff (SPD) der Volksstimme: "Letztlich geht es auch um das menschliche Miteinander - etwa morgens in der Bahn oder beim Einkaufen, im Konzert oder beim Behördengang." Jeder Einzelne habe es in der Hand, Vorurteile aufzubrechen und Diskriminierungen abzubauen.

Migranten wollen ihre Kompetenz einfließen lassen

In diesem Sinne äußerte sich auch das Landesnetzwerk Migrantenselbstorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) anlässlich der Ministerkonferenz. Sprecher Mamad Mohamad forderte, "die umfangreichen Kompetenzen der Menschen mit Migrationshintergrund ,auf Augenhöhe` in Lebens- und Arbeitssituationen" einfließen zu lassen. Das Netzwerk trat zudem für die gesellschaftliche wie auch politische Teilhabe der Migrantenorganisationen ein.

Norbert Bischoff verwies auf den vermehrten Zustrom aus anderen EU-Staaten. "Mehr als 60 Prozent der nach Deutschland Zugewanderten kommen aus der EU selbst. Es geht also um mehr als das nackte Aufenthaltsrecht. Es geht um wirkliche gesellschaftliche Integration." Von den in Deutschland lebenden 7,2 Millionen Ausländern sind inzwischen rund 2,8 Millionen Menschen EU-Bürger. Sie kommen vor allem aus Spanien, Griechenland, Portugal und Italien sowie aus Rumänien und Bulgarien.

Auf den sprachlichen und beruflichen Integrationsprozess dieser EU-Bürger soll ein besonderes Augenmerk gelegt werden. "Eine Öffnung der Integrations- und Sprachkurse für alle Zugewanderten, also auch für EU-Bürger, Asylbewerber und Geduldete, halte ich für ein Gebot der Stunde", erklärte Sachsen-Anhalts Integra- tionsminister. Bislang haben im Wesentlichen allein Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge einen Anspruch auf Integrationskurse.

"Ein weiterer Schwerpunkt", so Bischoff, "ist die schnelle und bundeseinheitliche Anerkennung beruflicher Qualifikationen. Da haben sich die Länder auf vieles geeinigt, dass es schneller gehen muss und auch kann. Große Erwartungen habe ich in die vom Bund eingerichtete einheitliche Anerkennungsstelle. Es muss also nicht jedes Land für sich herausfinden, welche Qualifikation fehlt oder was anerkannt wird."

Abwerbung schadet osteuropäischen Ländern

Der Minister mahnte auch zum Blick über den Tellerrand: Bei allen Anstrengungen, die Willkommenskultur in Deutschland zu verbessern, dürfe die Situation insbesondere der osteuropäischen Länder nicht aus dem Blick verloren werden: "Ich halte es daher für falsch, allein Fachkräfte etwa aus Rumänien oder Bulgarien abzuwerben. Wir schaden damit den Menschen in den osteuropäischen Ländern. Ihnen geht etwa medizinische Versorgung verloren, wenn wir die besten Ärzte zu uns lotsen."

Als Ort des Ministertreffens wurde übrigens das Magdeburger Herrenkrug-Hotel gewählt, das nach der hochwasserbedingten Sanierung nun wieder als Tagungsstätte zur Verfügung steht. Konferenz-Gast ist die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD).