Magdeburg l Der 86-jährige Willi Fehse schläft in seinem Bauernhaus in Velsdorf (Landkreis Börde) tief und fest, als ein Einbrecher sich bei ihm zu Hause in der Nacht zum 25. Februar zu schaffen macht. Weil der Senior schwer hört, bekommt er nicht mit, dass neben seinem Bett eine dunkle Gestalt die Schubladen durchwühlt. Der Ganove will sich mit der gefundenen EC-Karte nicht zufriedengeben und weckt den Mann auf. Mit vorgehaltener Pistole fordert er Geld. Der Rentner übergibt 100 Euro, dann verschwindet der Täter. Mit der EC-Karte werden später 1100 Euro abgeholt.

Der Senior bleibt in den folgenden Wochen nicht das einzige betagte Opfer. So erleben zwei 80-Jährige bei Wanzleben einen ähnlichen Horror. Einem der beiden stößt der Täter sogar eine Schranktür vor den Kopf, als er überrascht wird. Etwa ein Dutzend Einbrüche der letzten Wochen zählt Hauptkommissar Helge Haensche vom Polizeirevier Börde inzwischen zur Serie mit ähnlicher Vorgehensweise. Diese schlägt nicht nur wegen der Opferwahl aus dem Rahmen. Auch die Häufung im ländlichen Bereich abseits größerer Straßen fällt auf.

Im Norden und der Mitte des Landes sind normalerweise vor allem Orte entlang der Autobahnen und am Stadtrand von Einbrüchen in Einfamiliehäusern betroffen. In 60 Prozent der Fälle steigen die Täter zwischen 1 und 5 Uhr in die Häuser ein, während die Bewohner schlafen. Frank Küssner, Sprecher der Polizeidirektion Nord: "70 Prozent kommen durch ein Fenster oder die Terrassentür der zur Straße abgewandten Seite." Bevorzugtes Diebesgut vor allem durchreisender Banden sind Schmuck, Uhren, technische Kleingeräte und Bargeld. Solche Tätergruppen stammen überwiegend aus Osteuropa.

Die meisten Einbrecher flüchten beim Antreffen von Bewohnern, dennoch ist eine zunehmende Gewaltbereitschaft erkennbar. Kripoberaterin Ilona Wessner: "Man sollte ein Telefon am Bett haben, Krach machen und die Polizei rufen." Etwas mehr als jeder zweite Wohnungseinbruch im Land war 2013 in einem Einfamilienhaus.