Magdeburg l Die Bewältigung der DDR-Vergangenheit hat viele Facetten - darauf hat die Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen in Sachsen-Anhalt, Birgit Neumann-Becker, am Mittwoch bei der Übergabe ihres jährlichen Tätigkeitsberichtes an Landtagspräsident Detlef Gürth hingewiesen.

Seit 2006 ist zwar die Zahl der Überprüfungen von Landesbediensteten auf eine Stasi-Vergangenheit rückläufig, von einst 130000 auf nunmehr 18. Und auch die Anträge auf Akteneinsicht sinken kontinuierlich, zuletzt von 10500 in 2012 auf 8000 in 2013. Doch das Bedürfnis nach fachkundiger Beratung ist bei den Opfern des SED-Regimes ungebrochen. Nicht etwa nur bei den 35200 strafrechtlich Rehabilitierten, die bis heute an den psychischen Folgen des erlittenen Unrechts leiden. Zunehmend würden auch ihre Angehörigen in den Beratungsstellen das Gespräch suchen. Neumann-Becker kündigte deshalb an, die Beratungsleistungen und die Zusammenarbeit mit Opferverbänden künftig weiter auszubauen. Als weitere Aufgabe führte Neumann-Becker an, Jugendliche stärker über Diktaturen aufzuklären.

Landtagspräsident Detlef Gürth mahnte in dem Zusammenhang an, "wir dürfen nicht zulassen, dass ein Unrechtsstaat verniedlicht und verharmlost wird - wir müssen den nachfolgenden Generationen klarmachen, was eine Diktatur grundsätzlich ausmacht".Für die künftige Arbeit regte Neumann-Becker an, ihr Amt klarer zu bezeichnen. Ihr Vorschlag: "Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur". Das werde dem Tätigkeitsfeld gerechter, da es nicht mehr nur um Stasi-Unterlagen gehe.