Magdeburg l Nach Jägerhütte und Hyparschale droht im Stadtpark mit dem Schweizer Haus eine weitere Denkmalruine. Davor haben SCM-Sportler als Nutzer des Fachwerkhauses am Donnerstag im Stadtrat gewarnt. Nach Flutschäden ist bisher keine Hilfe in Sicht.

Auf rund 3,5 Millionen Euro war der Flutschaden am über 100 Jahre alten Schweizer Haus im Stadtpark, Heimat der Ruderer und Gesundheitssportler des SC Magdeburg, geschätzt worden. Das Erdgeschoss wurde verwüstet, technische Anlagen zerstört. Mit einer Notheizung, die Sponsoren bereitstellten, und viel Improvisationstalent kamen die Sportler über den Winter. Nun zum Frühlingserwachen herrscht Ernüchterung.

Niels Wedler, seit 17 Jahren verantwortlich für den SCM-Gesundheitssport im Schweizer Haus (wöchentlich bis 500 Teilnehmer): "Wir haben ein Problem. Uns wurde vom Fachbereich Schule und Sport mitgeteilt, dass die Fluthilfe nicht mehr in unser Bootshaus gesteckt werden soll."

Das Baudenkmal sei in Gefahr. Wedler: "Das Haus wird dann aufgegeben, soll eventuell an einen privaten Investor verkauft werden, aber wie Sie wissen, sind solche Verkäufe auf der Insel relativ schwer. Es ist ein hochwassergeschädigtes, denkmalgeschütztes Fachwerkhaus, das im Überflutungsgelände steht." Er befürchte, "dass nach der Jägerhütte und der Hyparschale die dritte Denkmalruine im Stadtpark entsteht", sagte Wedler.

Das ist auch das Problem der Stadt Magdeburg. Ihr gehört das Bootshaus. Dazu der Sportbeigeordnete der Stadt, Rüdiger Koch (SPD): "Es wird momentan für das Schweizer Haus, aber auch andere Objekte geprüft, inwieweit sie wieder hergerichtet werden können - und zwar flutsicher. Die entscheidende Frage ist, ob Fördermittel überhaupt ausgegeben werden dürfen, wenn das Haus nicht flutsicher wieder hergerichtet werden kann."

Die Stadt habe einen Planer mit der Untersuchung beauftragt. Ein abschließendes Ergebnis liege noch nicht vor. "Wenn wir keine Förderung dafür bekommen, stellt sich die Frage, ob wir einen anderen Standort wählen und dort auch die Ruderer flutsicher unterbringen können und dafür Fördermittel verwenden können", erklärte Koch. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD): "Noch ist gar nichts entschieden. Wenn wir keine Fördermittel bekommen, können wir das Haus nicht wiederherstellen. Aber wir müssen es ja trotzdem nicht abreißen. Vielleicht kann es mit wenig Aufwand weiterbetrieben werden."

Niels Wedler und seine SCM-Kollegen "rudern" weiter in eine ungewisse Zukunft. "Wir sind seit 17 Jahren da. Unser Nutzungskonzept ist auch so aufgebaut, dass wir mit Hochwasser umgehen können. Das ist also kein Problem", sagte er. "Das Konzept des Gesundheissportzentrums besteht auch darin, den Stadtpark und die Elbe einzubeziehen. Das heißt, an einem anderen Standort können wir dieses Konzept nicht mehr umsetzen."

Eine Absage der Fluthilfe wäre ein herber Schlag für die Aktiven. Niels Wedler: "Damit wir unsere Mitglieder und Sportfreunde nicht hängen lassen, haben wir improvisiert, alle Sportgeräte eine Etage nach oben geräumt. Sanitäranlagen funktionieren zwar, aber es sind keine Türen drin. Die Sauna ist nicht mehr da, deshalb haben einige Mitglieder gekündigt. Die meisten halten zur Stange, weil sie hoffen, dass sich etwas im Zuge der Fluthilfe tut." Vorerst müssen sie weiter um ihr Schweizer Haus bangen.

 

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