Elbingerode l Damit haben weder Verwaltung noch viele Bürger in der Stadt Oberharz gerechnet: An Kandidaten für die Kommunalwahl am 25. Mai herrscht in den zehn Ortsteilen von Stiege bis Elend kein Mangel. Allein für die 29 Sitze des künftigen Stadtrates Oberharz gibt es derzeit schon rund 70 Bewerber, für die Ortschaftsräte noch mehr.

Dabei waren noch vor Kurzem Resignation und ein Rückzug politisch aktiver Einwohner befürchtet worden. Die Stadt litt unter chronischer Geldnot, harte Sparkonzepte wurden für den Stadtrat zur Zerreißprobe, sogar eine Selbstauflösung stand im Raum. Das letzte Votum ging knapp für den Erhalt der Stadt aus, endgültig entschieden ist aber immer noch nichts. Im Ortsteil Elend wird an einem Wechsel nach Wernigerode gearbeitet. In Hasselfelde bekennt sich der Ortschaftsrat zum Ausstieg, in Trautenstein ist eine leichte Mehrheit der Bürger für die Stadtauflösung und in Stiege wird mit einem Ausstieg geliebäugelt. Doch die Front nach dem Motto "Rette sich, wer kann!" beginnt zu bröckeln.

Namentlich in der Bürgerinitiative Oberharz mehren sich Stimmen, die nicht mehr so sehr wie bisher von einer Auflösung der Stadt sprechen. Dafür aber von "Gestalten statt Verunstalten". Die SPD in der Stadt - bisher teils-teils positioniert - steht inzwischen klar zum Erhalt der Kommune mit ihren gut 11.000 Einwohnern.

"Genau genommen sehe ich auch gar keinen handfesten Grund für einen Wechsel", sagt Oberharz-Bürgermeister Frank Damsch (SPD), der selbst für ein halbes Jahr von einem Zwangsverwalter abgelöst worden war. Niemand der Stadtkritiker habe bisher nachgewiesen, dass es woanders bessere Bedingungen für die Bürger geben würde. Gespart werden müsse überall. Die Stadt Oberharz sei dabei auch durchaus auf einem guten Weg.

Wie im Rathaus zu erfahren war, sind derzeit 28 von 31 beschlossenen Sparaktionen umgesetzt. Das betrifft die Verkleinerung der zehn Ortschaftsräte ebenso wie die Senkung der Aufwandsentschädigung oder der schweren Herzens erfolgte Austritt aus der Arbeitsgemeinschaft Rübelandbahn. Schließlich ist die Stadt vom Tourismus abhängig, hat 2013 insgesamt mehr als 260.000 Gästeübernachtungen bewältigt. Novum am Rande: Eine Steigerung der Übernachtungen gab es auch in Stiege, obwohl dort die Touristinformation geschlossen wurde. Das dortige Plus ist laut Tourismusbetrieb durch eine gute Arbeit der Tourist-Information im benachbarten Ortsteil Hasselfelde erreicht worden.

Im Geld schwelgen kann die Stadt trotz der derzeitigen Fortschritte nicht. Der Kassenkredit von 12 Millionen Euro werde manchmal bis an die Grenze in Anspruch genommen, heißt es im Rathaus, aber halt nicht überzogen. Die Zusammenarbeit der Oberharz-Verwaltung mit den Ministerien und der Kommunalaufsicht Harz sei inzwischen rege und hilfreich, sagt Frank Damsch: "Wir stehen in engem Kontakt, um das Mögliche auch möglich zu machen."

Ob das alles den Bestand der Oberharzkommune auch wirklich sichert, bleibt abzuwarten. Zu entscheiden hat über die Fragen von Erhalt, Ausstieg oder Stadtauflösung der neue Stadtrat, für den derzeit so viele Oberharzer kandidieren.

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