Magdeburg l Betrüger versprechen derzeit Sachsen-Anhaltern große Gewinne. Die Gewinner müssten vorher "nur" per Western Union oder Paysafecards eine Gebühr bezahlen. Die Polizei warnt vor diesen Betrugsmaschen.

"Herzlichen Glückwunsch, Sie haben 49.000 Euro gewonnen", sagte eine Frauenstimme. Hartmut Förster aus Lüdelsen (Altmark) war am Mittwoch gerade beim Äpfelschälen. "Im ersten Moment habe ich mich gefreut", sagte Förster. Als Zeitschriften-Abonnent nimmt er häufig an Gewinnspielen teil. Alles klang plausibel.

Doch plötzlich wurde er skeptisch. Bevor er den Gewinn bekomme, müsse er für 800 Euro sogenannte Paysafecards kaufen. Mit diesen kann man bargeldlos im Internet einkaufen. In diesem Fall solle Förster den Geldtransport bezahlen. Wenn er diese hat, starte der Transporter.

Man verabredete sich für den nächsten Tag zum Telefonieren. "Ja, ich habe die Karten", flunkerte Förster. Nun wollte ein Mann am Telefon den 16-stelligen Code haben. Förster weigerte sich. "Dann ist das Geld doch weg", sagte Förster. "Nein", sagte der freundliche Mann am anderen Ende. Drei Minuten später meldete sich eine Frau, um Förster zu überzeugen. Sie gab sich als Mitarbeiterin der Firma Paysafecard aus. Sogar die 00800er-Nummer schien zu stimmen. Sie sagte, Förster könne ihr ruhig den Code geben. Doch er weigerte sich weiter und hat damit alles richtig gemacht.

Auf Nachfrage sagt eine Mitarbeiterin eines von Paysafe beauftragten PR-Unternehmens: "Wir rufen nicht an. Die PIN-Codes sind wie Bargeld. Wenn er sie durchgibt, ist das Geld weg. Mein Rat: Einfach auflegen." So sieht es auch Anja Reckleben von der Verbraucherzentrale. Diese Fälle passieren häufig. Die Betrüger gehen sehr professionell vor. Im Fall Förster riefen sie von Nummern aus Stuttgart (0711) und Duisburg (02065) an. Ob sie in den Städten sitzen, ist unwahrscheinlich. Die Täter können die Telefonnummern fälschen. Meist sitzen die Call-Center im Ausland.

Förster ist bei weitem kein Einzelfall. Etwas Ähnliches passierte am Dienstag einer 78-Jährigen aus Dahlenwarsleben (Börde). Ihr hat man 54000 Euro versprochen. 2000 Euro sollte sie per Western Union "als kleine Gebühr" überweisen. Die Seniorin lehnte ab. Erst als sie von zwei Frauen angerufen wurde, die sich als Kriminalistin und Mitarbeiterin des Weißen Rings ausgaben, ließ sie sich überzeugen, den "Lockvogel" zu spielen. Sie setzte sich ins Taxi nach Magdeburg. Zum Glück erzählte sie in der Bank ihre Geschichte. Der aufmerksamen Mitarbeiterin am Schalter fiel der Betrug auf, sie vereitelte ihn.

Durchschnittlich drei Betrugsfälle in der Stunde werden in Sachsen-Anhalt angezeigt. Die Trickbetrügereien an der Wohnungstür oder am Telefon sind dabei aber nur ein Teil des großen Straftatenaufkommens. Die Gesamtzahl stieg von 27686 im Jahr 2012 auf 28400 im vergangenen Jahr. Marc Becher, Sprecher der Polizeidirektion Nord: "Die Täter sind äußerst kreativ und lassen sich immer etwas Neues einfallen. Die Dunkelziffer ist in diesem Bereich sehr hoch."