Magdeburg l Es riecht nach Öl am Arbeitsplatz von Dieter Radermacher, Dietrich Auerswald und Werner Salzwedel. Auf mehreren Arbeitstischen und Werkbänken liegen zerlegte Motorräder - Karosserieteile, Motoren, Räder, Spiegel und jede Menge Schrauben. Manches rostig, anderes blankpoliert-glänzend. In einer Werkstatt des Technikmuseums bringen die drei Rentner 50 bis 60 Jahre alte Motorräder wieder zum Laufen.

Die drei Magdeburger sind ein eingespieltes Team. "Jeder hat sein Spezialgebiet", sagt Dietrich Auerswald. Er selbst sei seit 2011 die "diensthabende Elster", verantwortlich für alles, was blank ist und glänzt. Auerswald entfernt die rostigen Spuren der Zeit, lackiert und poliert, bis die Einzelteile wieder wie neu aussehen.

Als gelernter Feinmechaniker und Industriemeister hat er früher in der Medizin- und Rehatechnik gearbeitet. "Das war sehr vielseitig. Vom Narkose- und Beatmungsgerät bis zum Rollstuhl und Pflegebett hatte ich alles in den Händen", sagt der 67-Jährige. Er habe immer schon gern geschraubt. "Meine Frau kennt mich nur mit schmutzigen Fingern." Selbst zu Hause legt er das Werkzeug nicht aus der Hand. "Dort habe ich drei Motorrad-Oldtimer, die auch ihre Pflege brauchen."

Wenn Dietrich Auerswald heute mit dem Poliertuch den Staub vom silbrigen Auspuff wischt, fühlt er sich jung. "Als Jugendlicher hatte ich eine Jawa, jetzt auch wieder." Mit jedem neuen alten Unikat entdeckt er ein Stückchen Vergangenheit wieder.

Etwas ganz Besonderes sei das dreirädrige Krankenfahrzeug "Krause Duo" gewesen. "Das ist sehr selten. Daher ist es schwierig, an Informationen über den Originalzustand und an Teile zu kommen", erklärt Auerswald. "Da mussten wir viel improvisieren."

Keine Seltenheit bei den Restauratoren, denn für einige Stücke gibt es keine Ersatzteile mehr. "Teile für DDR-Produkte sind gut zu bekommen, wenn auch kostspielig", sagt Dieter Rademacher. "Schwierig ist es jedoch bei tschechischen Motorrädern."

Nach einem Jahr Arbeit brummt der Motor

Doch egal, ob mit original Ersatzteilen oder mit ähnlichen Stücken beholfen - die Fahrzeuge sollten im ursprünglichen Zustand erhalten und nicht etwa modernisiert werden. Dazu müssen die Männer Sitzpolster ausbessern und neu vernähen, Rost abschleifen, lackieren und polieren und Strom durch elektrische Schaltkreise schicken. Sie sind Näher, Sattler, Lackierer und Elektriker. "Anders können wir die Geschichte nicht für die Nachwelt erhalten", sagt Dieter Rademacher. Denn die Kenntnis davon rücke immer weiter in die Ferne.

Der 73-Jährige erfüllt sich mit der Restauration von Motorrädern seit 2008 einen Jugendtraum. Denn genau das hatte er in seiner ersten Ausbildung gelernt. "Als Kfz-Schlosser habe ich von 1958 bis 1960 die Motorräder repariert, die wir jetzt restaurieren", sagt er.

"Das erste Motorrad, das ich als junger Mann hatte, war eine RT 125. Von der haben wir schon zwei Stück restauriert." Besonders spannend sei es, Geschichten der Museumsbesucher zu den Fahrzeugen zu hören. "Wenn wir im Sommer direkt im Museum arbeiten, bleiben die Leute stehen, schauen und kommen ins Gespräch", sagt Radermacher. "Meist sind es Opas, die ihre Enkel mitbringen." Wegen der niedrigen Temperaturen in der großen Halle des ehemaligen Grusonwerkes sei die Arbeit dort im Winter allerdings nicht möglich.

Wenn Dietrich Auerswald und Dieter Radermacher alle Teile aufgearbeitet und wieder zusammengesetzt haben, kommt Werner Salzwedel zum Zug. Der gelernte Autoelektriker und Kfz-Meister ist seit knapp zwei Jahren dabei und kümmert sich um alles, was mit Kabeln und Schaltkreisen zu tun hat. "Früher habe ich Autos und Lastkraftwagen repariert - alles, nur keine Motorräder", erzählt er. "Die Schaltungen kennt heute keiner mehr." Daher sucht er sich die Pläne im Internet zusammen.

Besonders knifflig sei das Behindertenfahrzeug der Firma Louis Krause gewesen. "Das `Duo` wurde in einer Scheune gefunden und war Schrott, als wir es bekommen haben", sagt der 72-Jährige. "Wir mussten bei Null anfangen und alles wieder zusammenbringen." Auch für Salzwedel ist jedes Fahrzeug mit Erinnerungen verknüpft. "Die Simson S 51 Enduro hatte zum Beispiel mein Sohn damals", sagt er.

Ist das leuchtend-rote Motorrad fertig, geht es an seinen Besitzer zurück. "Einige Fahrzeuge sind Leihgaben von Privatpersonen oder Betrieben, andere werden dem Technikmuseum übergeben", sagt Dieter Radermacher. Die Restauration dauere im Schnitt ein Jahr. "An manchen Teilen wie der RT 125 arbeiten wir 70 Stunden, am Motorroller `Troll` haben wir etwa 200 Stunden gesessen." Hinterher sind die Fahrzeuge wieder voll funktionsfähig und müssten lediglich zugelassen werden, um auf der Straße gefahren werden zu dürfen.

Zu tun gebe es immer etwas. "Nachschub ist genug da", sagt Dietrich Auerswald, während Dieter Radermacher ein staubiges schwarzes Motorrad in die Werkstatt schiebt. "Die DKW Luxus 200 ist unser ältestes Motorrad aus dem Jahr 1928", sagt Dieter Radermacher. An diesem drehen die Herren als Nächstes die Zeit zurück. "Wenn der Motor wieder brummt, gehen wir glücklich nach Hause", sind sie sich einig.

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