Magdeburg l Montagmorgen in Halberstadt. Den Mitarbeitern einer Verleihfirma für Baumaschinen fällt zunächst nur ein Loch im Zaun auf. Auf dem Fuhrpark-Gelände wird dann das ganze Ausmaß des Schadens deutlich: An vier Radladern und drei Minibaggern sind die Tankdeckel mit brachialer Gewalt aufgehebelt worden. Rund 700 Liter Diesel zapften die Unbekannten ab.

"Wir konnten die Geräte nicht mehr vermieten und mussten die Tankdeckel nachbestellen", erklärt der Betriebsleiter Eckehard Maciejewski. Erst vor zwei Jahren habe es einen ähnlichen Vorfall gegeben.

Baumaschinen bei Dieseldieben besonders beliebt

Bei einem Tankinhalt von 300 Litern sind Baumaschinen ein besonders lohnenswertes Ziel. Sein Nachbar, ein großes Bauunternehmen, sei wegen der Lage an der Straße sogar noch häufiger betroffen.

Die gesamte Branche leidet unter dem zunehmenden Dieseldiebstahl. Robert Momberg vom Verband der Bauindustrie Sachsen/Sachsen-Anhalt: "Das entwickelt sich für die Bauunternehmen zu einem immer größeren Problem. Organisierte Banden gehen gezielt vor, um auf Baustellen Diesel zu stehlen."

Arbeitsausfälle durch beschädigte Geräte

Problematisch ist dabei nicht nur der gestohlene Kraftstoff, sondern auch der zerstörerische Vandalismus und der Arbeitsausfall der Geräte. Bei einzelnen Unternehmen gehen die Schäden schnell in den fünfstelligen Euro-Bereich.

"Leider ist die Aufklärungsqoute äußerst gering. Deshalb müssen die Unternehmen selbst vorsorgen", sagt Robert Momberg. Sie betanken zum Beispiel die Fahrzeuge und Maschinen nur noch für einen Tag, engagieren Wachdienste oder installieren digitale Sicherheitssysteme. Kosten, die die Firmen oft nicht umlegen können.

Gerhard Bertram von der Fachvereinigung Güterverkehr im Landesverband des Verkehrsgewerbes Sachsen-Anhalt: "Obwohl einige Tankanlagen der größeren Laster ein Fassungsvermögen bis zu 1000 Litern haben, werden diese nur noch selten voll betankt. Die meisten Fahrer tanken nur das Nötigste. Die Angst, das Geld umsonst ausgegeben zu haben, ist einfach zu groß."

Schadensbegrenzung: Lkw-Fahrer verschließen Tankdeckel nicht

Zudem verschließen einige Lkw-Fahrer die Deckel schon gar nicht mehr, weil der beim Aufbruch angerichtete Schaden größer ist als der Verlust des Diesels. Die Zahl der Kraftstoffdiebstähle (Diesel und Benzin) hat sich nach Angaben des Landeskriminalamtes seit 2010 fast verdoppelt. Besonders der Dieseldiebstahl nimmt den Löwenanteil ein. Allein im vergangenen Jahr richteten die Täter einen Schaden von rund 1,17 Millionen Euro an. Da viele Lkw-Fahrer oder Maschinenbesitzer den Diebstahl nur von größeren Mengen bemerken und anzeigen, schätzt die Polizei die Dunkelziffer als sehr hoch ein.

Nach Erkenntnissen des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeidirektion Nord schließen sich für solche Diebstouren oft drei bis fünf Personen als Gruppe zusammen. Nur ein Teil sei osteuropäischer Herkunft. Meist sind die Verdächtigen mittellose Einheimische, die den Diesel für den Eigenbedarf verwenden oder in ihrem Umfeld an Bekannte verkaufen.

In vielen Fällen rücken die Diebe sogar mit eigenen Lastern an und pumpen den Diesel in eigene mitgebrachte Fässer, Kanister oder ähnliche Behälter. Mengen von mehr als hundert Liter pro Diebstahl sind die Regel. Die häufigsten Tatorte befinden sich auf Baustellen oder Firmengeländen. Aber auch unbeleuchtete Parkplätze bieten nach Auswertung der Statistiken offenbar ein lohnenswertes Ziel. Nur selten gehen den Beamten, wenn die Ganoven nicht gerade auf frischer Tat gestellt werden, solche Gruppen ins Netz.

Spektakulärster Fang in Magdeburg

Der spektakulärste Fang gelang der Polizeidirektion Nord im vergangenen Jahr im Magdeburger Industriegebiet Rothensee. Dort nahmen sie fünf Männer aus Schönebeck im Salzlandkreis beim Dieseldiebstahl fest. Die Ermittler konnten der Bande eine ganze Serie von Dieseldiebstählen mit Mengen von bis zu 6800 Litern nachweisen. Die beiden Haupttäter wurden zu Freiheitsstrafen von drei Jahren verurteilt. Die anderen erhielten etwas geringe Strafen, die zum Teil zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Nur selten enden Fälle auf diese Weise. Die Aufklärungsquote liegt in diesem Bereich ohnehin nur bei 15,2 Prozent. "Es ist oft schwierig, Spuren am öligen Tank zu finden, und auch sonst gibt es meistens kaum Anhaltspunkte, die zu den Tätern führen", erklärt Marc Becher von der Polizeidirektion Nord.

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