Schierke l Das neue Eisstadion in Schierke kostet die Stadt Wernigerode durchschnittlich 265.000 bis 270.000 Euro pro Jahr. Dies erklärte Immo Drobnik von der Strategieberatung Nymoen aus Berlin. Das Unternehmen hatte im Auftrag der Stadtverwaltung ein Wirtschaftlichkeitsgutachten erarbeitet, das am Montagabend im Schierke-Ausschuss vorgestellt wurde.

Ziel der Studie war darzustellen, "welche Kosten auf den Träger und Betreiber zukommen", so Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos). Zwei Szenarien haben die Berater durchgespielt - einerseits den geplanten Umbau mit dem markanten Dach nebst den Betrieb und andererseits eine Sanierung des Eisstadions, die lediglich den Status quo aufrechterhält. Dazu wurden die zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben für die Jahre 2015 bis 2030 berechnet.

Würde sich die Stadt entschließen, das Nötigste instandzusetzen, um das Stadion weiter betreiben zu können, müsste sie rund 866000 Euro ausgeben. Pro Jahr müssten rund 53.000 Euro finanziert werden. Auf etwa 45000 Euro beliefen sich die Betriebskosten pro Jahr. Insgesamt müsste die Stadt also knapp 100000 Euro pro Jahr einplanen. "Das kommt auf jeden Fall auf Sie zu", sagte Berater Immo Drobnik und fügte hinzu: "Das ist wichtig, um die folgenden Zahlen zu relativieren."

Denn der Ausbau zur multifunktionalen Schierke-Arena wird jährlich um rund 170.000 Euro teurer. Die Berater gehen davon aus, dass der Bau im November 2014 startet und zwölf Monate dauern wird. Die Kosten werden mit rund 6,69 Millionen Euro netto angesetzt. Etwa 4,2 Millionen Euro Förderung stellt das Land in Aussicht.

Bisher sei nur von rund 5,99 Millionen Euro Baukosten die Rede gewesen, sagte André Weber (CDU) und wollte wissen, wie die Mehrkosten zustande kommen. Die Berater hatten 300.000 Euro als Risiko einkalkuliert, erklärte Immo Drobnik. Nicht eingerechnet seien die Kosten für die Erschließung - so müsse etwa die Abwasserbeseitigung modernisiert werden, erklärte Baudezernent Burkhard Rudo. Eine genaue Summe konnte er in der Sitzung aber nicht nennen.

Mit rund 113.000 Euro pro Jahr seien laut Gutachten die laufenden Kosten für die neue Schierke-Arena anzusetzen. Eingerechnet sei die Instandhaltung der Anlage, inklusive einer Generalüberholung nach zehn Jahren. "Sie werden ein top gepflegtes, gebrauchtes Objekt haben", so Drobnik.

Knapp 100.000 Euro sind für das Personal veranschlagt. Dazu seien eineinhalb feste Stellen eingeplant, davon eine halbe Stelle für den Geschäftsführer, der zugleich das Parkhaus verwalten soll. Hinzu kommen Pauschalkräfte, die je nach Bedarf für den Eislaufbetrieb oder Veranstaltungen beschäftigt werden.

Schwieriger sei es, die Erlöse vorab zu kalkulieren. Bei einer Wintersaison von vier Monaten mit Eislaufbetrieb gehen die Berater von etwa 8500 Besuchern im Jahr 2016 aus. Von Jahr zu Jahr wird eine Steigerung von drei Prozent angenommen, sodass im Jahr 2030 mit rund 12.000 Besuchern gerechnet wird. Um den Ticketpreis zu berechnen, haben die Berater Daten anderer Eisstadien herangezogen. Unterm Strich steht ein empfohlener Eintrittspreis von 3,14 Euro pro Person bei zeitlich unbegrenztem Aufenthalt. Hinzu kommen Einnahmen bei Veranstaltungen.

"Auf die Frage, ob irgendwann eine schwarze Zahl dasteht, ist die Antwort: Nein." - Immo Drobnik, Berater

Das Eisstadion werde aber ein Zuschussgeschäft bleiben, so Drobnik. "Auf die Frage, ob irgendwann eine schwarze Zahl dasteht, ist die Antwort: Nein." Die Last werde aber leichter, wenn der Kredit nach 20 Jahren abbezahlt sei. Hinzu kämen die positiven volkswirtschaftlichen Effekte, die Stadionausbau und -betrieb der Region bringen würden - etwa durch Aufträge an Firmen, die Steuern zahlen und Mitarbeiter beschäftigen. Je nachdem, wie viele Unternehmen aus der Region zum Zuge kommen, sei mit 171.000 bis 295.000 Euro zusätzlicher Wertschöpfung zu rechnen.

Ein Verzicht auf das spektakuläre Dach und Kunsteis, wie Christian Härtel (Linke) anregte, helfe nicht. Zwar werde dadurch der Bau rund zwei Millionen Euro günstiger, doch die Arena verliere ihr Alleinstellungsmerkmal, sagte Immo Drobnik. Zudem sei die Nutzung eingeschränkt: "Drei Viertel der Erlösmöglichkeiten können Sie dann streichen."