Magdeburg l Werbung wie diese kann man nicht kaufen. Sachsen-Anhalt bekommt sie geschenkt, unverhofft, bei jenem Fototermin in Berlin. Es ist ein Geschenk der Oscar-Preisträgerin Helen Mirren an dieses kleine Bundesland, dessen Namen sie nicht so richtig aussprechen kann. "I called it sexy Anhalt this morning", sagt Mirren unter dem Lachen der Journalisten.

Sexy Anhalt. Sagt Helen Mirren, Hollywood-Star, von der Queen in den Adelsstand erhoben.

Die Landesregierung hat sich "sexy Anhalt" danach als Werbespruch schützen lassen. Leider ist Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit dazwischengekommen mit seinem Satz: Berlin sei arm, aber sexy. Dennoch: Ein wenig vom Glanz Hollywoods strahlt ab auf die Gegend zwischen Arendsee und Zeitz. Und Sachsen-Anhalt will noch mehr. Hollywood soll Arbeitsplätze bringen.

Hotels, Friseure, Caterer - von Filmteams profitiert Sachsen-Anhalt

Um Produzenten anzulocken, steckt das Land Millionen in die Filmförderung. Steuergeld steckt zum Beispiel im Streifen "Monuments Men" von George Clooney. 50 Millionen Euro hat er gekostet, 400.000 Euro hat die Mitteldeutsche Medienförderung dazugeschossen, an der auch Thüringen und Sachsen beteiligt sind. Braucht Clooney Geld vom Staat? Falsche Frage, findet Rainer Robra, als Chef der Staatskanzlei für Filmförderung zuständig. Denn die eingesetzte Summe habe sich in Mitteldeutschland vervielfacht. "2,3 Millionen Euro sind in die Region geflossen, das ist außergewöhnlich viel."

"Regionaleffekt" nennen die Filmförderer den Weg öffentlichen Geldes durch die Kassen von Filmproduzenten zurück ins Land. Die MDM lässt sich diesen Effekt genau vorrechnen. Welche Zeche fiel für die Unterbringung von Clooneys Mannschaft im Ilsenburger Hotel "Zu den Rothen Forellen" an? Was blieb bei Friseuren, Autoverleihern, Caterern hängen? Laut MDM liegt der Regionaleffekt im Schnitt aller geförderten Filme bei 300 Prozent. Jeder ausgegebene Euro verwandelt sich in drei Euro, die in Mitteldeutschland ausgegeben werden.

Im Übrigen seien amerikanische Blockbuster nicht ihr Hauptgeschäft, versichert die MDM. Auch Dokumentationen und Kurzfilme unterstütze man gern. Oder vor zehn Jahren den melancholischen Streifen "Schultze gets the Blues", der in der tristen Gegend nahe Halle spielt. "So etwas zieht kein Millionenpublikum an, anders als ein Film mit Til Schweiger", sagt Oliver Rittweger von der MDM, "trotzdem war der Film mit 400.000 Besuchern unheimlich erfolgreich."

Quedlinburg und Querfurth Schauplatz von "Der Medicus"

Ein Knüller an der Kinokasse ist der im vergangenen Jahr verfilmte Arzt-Schmöker "Der Medicus". Schon 3,5 Millionen Menschen haben ein Ticket gekauft, um die Wanderung des Waisen Robert Cole aus dem mittelalterlichen England ins persische Isfahan und zurück mitzuerleben. Gedreht wurde unter anderem in Quedlinburg und Querfurt. Eine Szene mit der Steilküste von Dover wurde im Harzstädtchen Elbingerode gedreht - die weiße Kreide entstand später im Computer.

Die Filmtechnik macht\'s möglich. 2008, als Oscar-Preisträgerin Mirren für den Film "Ein russischer Sommer" nach "sexy Anhalt" kam, lobte Staatskanzleichef Robra das Land: Es eigne sich besonders gut für russische Landschaften. Für polnische aber auch, wie sich jetzt zeigt. Das Holocaust-Drama "Lauf, Junge, lauf", das am 17. April ins Kino kam, spielt in Warschau und polnischen Wäldern. Gedreht wurde unter anderem bei Coswig. "In Polen gibt es keine Filmförderung", sagt Robra.

Kritik vom Bund der Steuerzahler

Den Bund der Steuerzahler stört die Subventionierung seit Jahren. In seinem jüngsten Bericht listet er auf, wie viel öffentliches Geld etwa in "Monuments Men" geflossen ist. Außer der MDM haben auch die Filmförderung von Berlin-Brandenburg und die des Bundes erhebliche Summen beigesteuert, insgesamt 9,3 Millionen Euro.

Der Steuerzahler komme für die Star-Gagen von Cate Blanchett und Matt Damon auf, ätzt der Verband: "Für diese Vorstellung gibt es mit Sicherheit keinen Oscar." Die Landesregierung hingegen spricht von gelungener Wirtschaftsförderung. Und bei kommerziell erfolgreichen Projekten gebe es auch die Pflicht zur Rückzahlung.

Staatskanzleichef Robra preist derzeit, wo es nur geht, die noch unverbrauchte Kulisse von Naumburg - auch als Alternative zu Görlitz, wo zuletzt die Komödie "Grand Budapest Hotel" gedreht wurde. "Görlitz ist so nachgefragt, das könnte man jeden Tag zweimal verkaufen", sagt Robra, "aber alles, was in Görlitz geht, geht auch in Naumburg."

Neuseeland verkauft sich sensationell seit dem "Herrn der Ringe"

Schauplätze, die durch Filme bekanntgeworden sind, sollen anschließend wiederum Touristen anlocken. Das Vorbild, von dem alle Filmförderer träumen, ist Neuseeland. Die Wälder, Wiesen und Berge der abgelegenen Insel ziehen ungeahnte Besucherströme an, seit 2001 der erste Teil der Trilogie "Der Herr der Ringe" in die Kinos kam. Als "Heimat von Mittelerde" verkauft sich das Land seither, die Fluglinie Air New Zealand zeigte in ihrem Sicherheitsvideo Elben, Zauberer und Zwerge.

Diese Identifikation von Film und Drehort sei so erfolgreich, weil eine ganze Filmserie Bilder in die Welt trug, sagt Robra. Auf einen Dauerbrenner hofft er auch für Sachsen-Anhalt, wenngleich auf bescheidenerem Niveau. Der Kinderfilm "Bibi & Tina", der seit einem Monat im Kino läuft, könnte so eine Serie werden. Das Filmschloss Falkenstein, auf dem Bibi Blocksberg hext, ist im wahren Leben Schloss Vitzenburg bei Nebra.

In dieser Woche hat die Investitions- und Marketinggesellschaft des Landes die Broschüre "Hollywood in Sachsen-Anhalt" vorgelegt. "Besuchen Sie die Originalschauplätze von \'Monuments Men\'", heißt es darin. "Wahrscheinlich kommt niemand nur dafür nach Sachsen-Anhalt. Aber vielleicht hängt jemand einen weiteren Tag an seinen Urlaub dran", hofft Regierungssprecher Matthias Schuppe.

Die Burg Querfurt findet Staatskanzleichef Robra auch so schön. "Aber wenn man weiß, dass hier für den \'Medicus\' gedreht wurde, wird sie vielleicht noch interessanter."