Magdeburg l Stahlknecht hat eine Kabinettsvorlage erarbeitet. Diese sieht vor, dass alle gut 70 Polizeistationen im Land schließen. Und: 16 von 30 Revierkommissariaten fallen weg. Vor Ort gibt es am Donnerstag harsche Reaktionen. Blankenburgs Bürgermeister Hanns-Michael Noll (CDU) sagt: "Die Reformpläne widersprechen eklatant dem Sicherheitsbedürfnis der Bürger."

Thales Bürgermeister Thomas Balcerowski: "Statt Verbrechensbekämpfung gibt es Verbrechensverwaltung. Das eigentliche Problem ist, dass die Polizei zu wenig Personal hat." Dafür sei Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) verantwortlich. Bis 2016 wird die Zahl der Polizeivollzugsbeamten auf 6000 reduziert. 2008 waren es noch 7700.

Empörung auch in der Altmark. Kathrin Wißwedel, Ordnungsamtsleiterin in Klötze, sagt: "Wir sind geschockt." Der altmärkische Landtagsabgeordnete Ralf Bergmann (SPD) befürchtet eine "polizeifreie Zone Altmark". Darum: "Alle Polizeistationen und Revierkommissariate müssen erhalten bleiben. Es darf keine Reform um der Reform willen geben."

"Mangelnde Transparenz" in Sachsen-Anhalts Innenministerium

Druck machen die Polizeigewerkschaften. Sie hatten bereits im Februar in einem gemeinsamen Brief an Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) einen Stopp der Reform gefordert. Seit Mittwoch liegt ihnen die Kabinettsvorlage vor. Hanno Schulz, Landeschef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, sagt einen Tag später: "Wir werden den Vorschlag nicht mittragen."

Uwe Petermann, Chef der Gewerkschaft der Polizei, bemängelt "unausgegorene Vorschläge". Dem Innenministerium wirft er "mangelnde Transparenz" vor. Stefan Perlbach, Vize- Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft: "Uns steht das Wasser bis zum Hals. Mit der derzeitigen Struktur sind wir handlungsunfähig. Eine Reform darf nicht politischen Spielen geopfert werden."

Der Leiter der Abteilung Polizei im Innenministerium, Karl-Heinz Willberg, sagt zum Wegfall der 16 Kommissariate: "Die Liegenschaften bleiben als eine Art Basis-Station für die Funkstreifenwagen."