Ihnen ist das zu Schulzeiten sicher auch passiert: Weil der blöde Wecker nicht klingelt, verschläft man und kommt zu spät zur ersten Stunde. Erinnern Sie sich noch an das beschämende Gefühl, wenn man dann mit Schlafsand in den Augen und Zahnpasta auf dem Pulli in den Klassenraum schlich? So ähnlich ging es neulich dem Horst. Nur mit zwei Unterschieden. Erstens: Er war nicht zu spät im Klassenzimmer, sondern am Telefon. Der Horst ist nämlich schon ein großer Junge. Mit Nachnamen heißt er Seehofer. Zweitens: Statt einer Lehrerin ließ er ausgerechnet die Bundeskanzlerin warten. Um 8 Uhr war er mit Mutti zur Telefonkonferenz verabredet. Um diese Zeit lag er aber noch in den Federn - vermutlich träumte er von der Pkw-Maut. Erst das penetrante Klingeln seines Handys holte ihn in die reale Welt zurück. So musste die Schalte wegen ihm um sieben Minuten verschoben werden.

Dabei war der Horst eigentlich gar nicht Schuld an seinem Verschlaf-Fauxpas. Streng genommen war es die EU. Weil die diese doofe Sommerzeit immer noch nicht abgeschafft hat. Der Horst hatte nämlich vergessen, seine Uhr eine Stunde vorzustellen. So was Peinliches darf nicht noch mal passieren. Diese Zeigerdreherei muss aufhören, findet er. Und er hat sogar schon eine Verbündete: die Ilse aus seiner Klasse, äh Partei. Der geht es allerdings nicht um Telefonschalten, sondern um Kühe. Denn als Chefin vom Landwirtschaftsministerium ist sie ja quasi auch die Chefin der Kühe. Und weil die sich so schlecht an die Umstellung gewöhnen, will auch die Ilse die Sommerzeit abschaffen. Wahrscheinlich mit einer Online-Petition. Mal sehen, wie das Mutti findet. Aber im Gegensatz zur Maut hat diesmal wenigstens nicht der Horst angefangen. Elisa Sowieja