Magdeburg l In keinem anderen Bundesland stehen so viele verlassene Kleingärten wie in Sachsen-Anhalt. Jeder sechste ist ungenutzt, das macht rund 18.000 Parzellen. 2010 waren es noch 13.000. Am schlimmsten ist es in Eisleben mit 36,1 Prozent Leerstand. Auch in Staßfurt hat jeder dritte Kleingarten keinen Pächter.

"Nach der Wende sind viele der Arbeit nachgezogen", erklärt Peter Riebeseel vom Landesverband der Gartenfreunde. Er glaubt, dass der Leerstand weiter wächst. Denn ältere Pächter ziehen sich zurück, während kaum junge nachkommen. Bei den Schönebecker Gartenfreunden etwa liegt der Altersdurchschnitt bei 60 Jahren. Die Laubenpieper trifft das nicht nur, weil sie fehlende Pachteinnahmen ausgleichen müssen. Das Hauptproblem ist der Rückbau: Der Verband erwartet Kosten in Höhe mehrerer Millionen. "Je nach Laube und Bepflanzung muss man pro Parzelle mit 2.500 bis 7.500 Euro rechnen", sagt Riebeseel.

Da bei brachliegenden Gärten die Pächter meist längst über alle Berge sind, müssen sich die Vereine kümmern. In Stendal etwa zahlen Mitglieder zwei Euro pro Jahr in einen Fonds ein, womit sie Lauben abreißen und Büsche roden.

Hilfe gibt es von den Kommunen, ihnen gehören die meisten Anlagen. Viele verzichten auf Pacht für leere Parzellen. Doch das belastet den Haushalt. So hatte Staßfurt im vergangenen Jahr 22.700 Euro weniger Einnahmen. Die Gartenfreunde fordern, dass auch Land und Bund helfen. "Schließlich war es Wille der Politik, dass zu DDR-Zeiten so viele Sparten entstanden sind", sagt Riebeseel. "Sie sollten die Bürger beruhigen."

Doch ein extra Förderprogramm ist beim Land nicht in Planung, teilt das Umweltministerium mit. In Einzelfällen springt es ein - jedoch nur beim Rückbau kompletter Sparten. Der Bund plant ebensowenig ein Programm. Sachsen-Anhalts Städte- und Gemeindebund hält das auch gar nicht für nötig. "Wir sollten Land und Bund nicht zu viele Forderungen überbürden", sagt Präsident Jürgen Leindecker. "Zudem ist Gärtnern ein privates Hobby."

Der Gärtnerverband will dem Land bis zum Herbst genaue Zahlen dazu liefern, wie viel der Rückbau kosten wird - und so die Dringlichkeit des Problems verdeutlichen. Zumindest einige Vereine müssen sich nicht sorgen. In Klötze etwa sind alle Gärten belegt. Wie das funktioniert? Chef Bernd Pitterling: "Wir rühren mit Kinder- und Sommerfesten die Werbetrommel."

Bilder