Dritte Schließung in Sachsen-Anhalt

Das Halberstädter Heim ist das dritte, das in Sachsen-Anhalt geschlossen wird. Der erste Fall betraf 2004 ein Heim mit zwölf Bewohnern in Eilsleben (Ohrekreis).

Im Dezember 2007 kam der Schließungsbeschluss für das Pflegeheim "Am Luisengarten" in Magdeburg mit 85 Bewohnern. Katastrophale Zustände hatten zu diesem Schritt geführt.

Halberstadt l Der Vitalis Betreutes Wohnen Halberstadt e. V. betrieb in einem Mietshaus der Kreisstadt eine Seniorenwohngruppe und einen Treff. Wegen massiver Missstände erhielt das Heim am 24. März den Schließungsbescheid. Zuständig dafür ist das Landesverwaltungsamt.

"Es gab kein eigenes Pflegepersonal."
Denise Vopel, Landesverwaltungsamt

Sprecherin Denise Vopel sagt gegenüber der Volksstimme zu den Gründen: "Es gab kein eigenes Pflegepersonal. Der Träger hatte dem ambulanten Pflegedienst, der die Bewohner pflegte, fristlos gekündigt. Weiterhin hat er dem Pflegedienst ein Hausverbot ausgesprochen. Die Bewohner blieben nachts trotz Immobilität und Pflegebedürftigkeit allein." Von diesen Zuständen habe das Landesverwaltungsamt durch eine anonyme Anzeige erfahren. Bis zum 11. April werde das Heim geräumt.

"Für sechs der betroffenen sieben Senioren konnten in anderen Heimen Plätze gefunden werden", so Vopel. Für den siebenten Bewohner werde noch nach einer Lösung gesucht.

In dem Haus seien drei Pflegekräfte, inzwischen aber langzeiterkrankt, sowie zwei ehrenamtliche Hauswirtschaftskräfte tätig gewesen. Parallel habe es einen ambulanten Pflegedienst gegeben.

Zwei Mitarbeiterinnen der Halberstädter Betreuungsstätte weisen gegenüber der Volksstimme die Vorwürfe zurück."Wir haben niemanden vernachlässigt", empört sich eine Pflegekraft, die anonym bleiben will. Der Chef des Trägervereins Vitalis e. V. war nicht erreichbar.

In der Einheitsgemeinde Halberstadt und seinen Ortsteilen gibt es nach Auskunft der Verwaltung des Landkreises Harz insgesamt 672 Heimplätze in Alten- und Seniorenheimen.

Das Vitalis-Heim war zunächst in Form des Betreuten Wohnens geführt worden. Im Juli 2011 jedoch stufte es die Heimaufsicht dann als stationäre Betreuungsstätte ein.

Hatten die professionellen Heimkontrolleure des Landes seit dieser Zeit nennenswerte Beanstandungen in der Halberstädter Wohnstätte? Denise Vopel: "Nein, es gab keine Auffälligkeiten während unserer Zuständigkeit." Die Seniorenheime in Sachsen-Anhalt würden regelmäßig überprüft: "Die Kontrollen erfolgen in einem einjährigen Rhythmus und zusätzlich je nach Anlass."

"Niemand wird unter Generalverdacht gestellt."
Holger Paech, Sozialministerium

Holger Paech, Sprecher des sachsen-anhaltischen Sozialministeriums, ergänzt auf Volksstimme-Nachfrage: "Es handelt sich um einen Einzelfall. Wichtig ist, dass die Heimaufsicht kontrolliert. Es wird aber niemand unter Generalverdacht gestellt. Es geht um die Interessen der Bewohner, die ein Anrecht auf gute Betreuung haben. Nicht Schließungen sind Ziel der Heimaufsicht, sondern Mängel schnell abzustellen."

Alle Träger von Seniorenheimen würden vorab geprüft, vor allem hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Zuverlässigkeit, erklärt Denise Vopel. Die häufigsten Beanstandungen dabei seien "sowohl Struktur- als auch Prozessmängel". Das kleine Heim in Halberstadt ist endgültig durchgefallen - es wird dauerhaft geschlossen bleiben.