Magdeburg l Die Landtagsfraktion der Grünen hat am Dienstag eine Internetseite zur industriellen Tierhaltung in Sachsen-Anhalt freigeschaltet. Kernstück der Seite ist eine Karte, in der rund 360 Mastanlagen eingezeichnet sind, die aufgrund ihrer Größe einer speziellen Genehmigung bedürfen.

Den Grünen gehe es darum, mit der Karte das Ausmaß der industriellen Tierhaltung in Sachsen-Anhalt transparent darzustellen, erklärte Fraktionschefin Claudia Dalbert. "Die Karte verdeutlicht, wo und mit welchen Haltungsbedingungen es im Land große Schweine- und Geflügelhaltungsanlagen gibt."

Als Datengrundlage für die Karte diente den Grünen die Antwort der Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage. In dieser hatten sie nach Betrieben gefragt, die wegen ihrer Größe einer Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz bedürfen. Betroffen davon sind Anlagen mit mehr als 560 Sauen, 1.500 Mastschweinen, 15.000 Puten oder 30.000 Masthähnchen.

Fraktionschefin Dalbert betonte, es gehe nicht darum, bestimmte Betriebe anzuprangern. So hätten die Grünen auf eine Bewertung der Haltungsbedingungen in den auf der Karte verzeichneten Mastanlagen verzichtet. Angegeben wird jetzt nur der Name des jeweiligen Betriebs und wie viele Tiere er auf welche Weise hält.

Die agrarpolitische Sprecherin der Grünen, Dorothea Frederking, sagte, ihrer Partei sei klar, dass große Anlagen nicht immer gleich schlecht und kleine Betriebe nicht immer gleich gut seien. Frederking fügte dann aber zu: "Oft gibt es jedoch in den großen Betrieben keine artgerechte Tierhaltung." Noch immer würden Schweinen die Schwänze abgeschnitten, dem Geflügel die Schnäbel gestutzt. Zudem würden die Tiere oft auch auf kleinstem Raum gehalten. Claudia Dalbert erklärte, die Karte sei ein Baustein in der Kampagne der Grünen gegen industrielle Tierhaltung.

Scharfe Kritik übte der Bauernverband. Die Karte sei ein Angriff auf die heimische Landwirtschaft, da die Nutztierhaltung im Vergleich zum Ackerbau den Landwirten ein Vielfaches an Wertschöpfung einbringe. Die Landwirte seien ja bereit, über bessere Haltungsbedinungen für Nutztiere zu diskutieren, aber der "mittelalterliche Pranger" der Grünen verhindere nun jeden weiteren Dialog.

Kritik kam auch aus der CDU. "Für uns schießen die Grünen gehörig über das Ziel hinaus", erklärte Vize-Fraktionschefin Gabriele Brakebusch. Das Tierwohl sollte gemeinsam befördert werden, anstatt nur eine Ansammlung negativer Punkte öffentlich darzustellen, so Brakebusch.

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